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Zum historischen Ursprung der Pest

Bereits im alten Testament finden sich zahlreiche Erwähnungen von Seuchen als Strafe Gottes. Durch fehlende Nachweise und sehr standardisierte Beschreibungen ist jedoch nur selten eindeutig ein Auftreten der Pest nachweisbar, es kann sich auch um andere seuchenartig auftretende Krankheiten gehandelt haben, wie z.B. die Pocken.

In den Geschichtsbüchern wird von 3 großen Pestpandemien gesprochen, welche inzwischen wissenschaftlich nachweisbar durch den Pesterreger verursacht worden waren:

  • Die Justinianische Plage zwischen 541-544 n.Chr.: Ausgehend von Äthiopien nahm die Epidemie vom ägyptischen Pelusium ihren Lauf, über den Mittleren Osten in den Mittelmeerraum. In 8-12 Jahreszyklen kehrte sie zwischen 558 und 654 n. Chr. wieder. Hierbei war stets die gesamte „bekannte“ Welt betroffen: Nordafrika, Europa, Südasien und der Nahe Osten. Auch wenn genaue Zahlen nicht vorliegen, so geht die Wissenschaft heute von einem Bevölkerungsverlust von 50-60% durch diese Seuche aus, welche  wie kürzlich erst durch DNA-Untersuchungen an Pestopfers des 6. Jh. (Bayern) bewiesen, durch den Yersinia Pestis-Erreger hervorgerufen worden war. Diese neuesten Untersuchungen legen auch die Vermutung nahe, dass auch bei dieser Pestepidemie der eigentliche Ursprung des Erregers im asiatischen Raum liegen muss.

Als Folge kam es in allen Bereichen der spätantiken Reiche zu dramatischen Entwicklungen: Es gab ökonomische, religiöse und politische Konsequenzen, wie auch beispielsweise die Schwächung des Byzantinischen Reichs.

Zwischen 10. und 14. Jh. konnte sich die Bevölkerung wieder erholen, ein geschätzer Zuwachs von 300% waren die Folge.

  • Die Pestepidemie 1348-1350: Von den Steppen Zentralasiens näherte sich ab 1330-1346  erneut der Tod. Entlang der Handelsrouten verbreitete sich der Erreger westwärts und gelangte nach Sizilien. Als die Pest, in die Geschichten als „Schwarzer Tod“ eingehend, schließlich 1347 das europäische Festland erreichte, wo sie bis 1351 tobte, kostete sie etwa zwischen 17 und 28 Millionen Menschen das Leben, d.h. etwa ein Drittel der Bevölkerung Europas.

Bis in die Neuzeit hinein kehrte die Seuche in regelmäßigen Abständen zurück, wenn auch in geringerem Ausmaß der Sterblichkeit und meist räumlich begrenzt, ehe der medizinische und hygienische Fortschritt die Pest in Europa quasi ausrotten konnte.

Wien war 1713/14 zum letzten Mal von der Krankheit betroffen. Auf sie geht die von Kaiser Karl IV. gestiftete und dem Pestheiligen Karl Borromäus geweihte Karlskirche zurück.

  • Die Pandemie um 1850: In der Yunnanprovinz in China ausgebrochen, schwappte die Pest kurz darauf auf Afrika, Amerika, Australien, Europa und Restasien über. Österreich war damals jedoch nicht mehr davon betroffen – der unter Maria Theresia eingeführte „Sanitätskordon“ entlang der militärischen Landesgrenze stellte einen wirksamen Pestschutz dar.

Besiegt ist die Pest weltweit jedoch bis heute nicht – immer wieder brechen gerade in Entwicklungsländern – Pestepidemien aus.

 

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