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Keramik 3 – Formen in Wien

Da wir jetzt die ersten beiden Kaufkriterien abgeschlossen haben (Material und Glasur), möchten wir ein bisschen über Keramik in Wien um 1350 sprechen, hier zeigen sich ein paar typische Formen in allen Funden, auch wenn sie in ihrer Aufmachung eher simpel gehalten sind.

Eigentlich gibt es hier mehr zu sehen als zu lesen, denn ich glaube, die einzelnen Formen zu beschreiben wäre in dieser Form den Rahmen sprengend. Es bleibt zu erwähnen, dass für das 14. Jh. aus Wien vorwiegend Becher, Schalen, Grapen, Talglichter, Töpfe, Deckel und Krüge sowie Kannen in verschiedenen Formen vorliegen. Weiters gibt es aus dem Spätmittelalter auch “Kinderspielzeug” in Form von Spielzeug-Töpfen, etc. sowie Sparschweine (ab dem 13. Jh.) und Aquamanile. Spinnwirteln aus Ton selbst sind in Wien in der Literatur bzw. aus dem Fundgut nicht im Mittelalter auszumachen, hier müssen zur Rekonstruktion Wien-nahe Funde herangezogen werden.

Als Besonderheit für Wien ist im Zusammenhang mit Keramik das Ausgangsmaterial zu nennen. Im Wiener bzw. ostösterreichischen Raum wurde bevorzugt mit Graphitton gearbeitet. Graphitton ist ein regional begrenzt vorkommender Rohstoff, dessen bedeutsamsten Abbaustätten sich in Böhmen, im Bayerischen Wald, mähren-schlesischen Raum, Mühl- und Waldviertel, Dunkelsteiner Wald sowie der Grauwackenzone in der Steiermark und Kärnten befinden. Im Waldviertel besonders findet sich Graphiterde, d.h. an die Oberfläche getretener Grafitton, welcher ohne großen Aufwand abgebaut und verwendet werden kann.
In reduzierender Atmosphäre verbrennt Graphit bei Temperaturen von etwa 3500°C (gräulich!), im  Sauerstoffstrom beginnt er bereits bei 400-500°C zu oxidieren (Rotfärbung!). Im 15. Jahrhundert entwickelte sich aus der Graphittonkeramik heraus die erstmals 1431 in Wien erwähnten Eisentonware heraus.

Bereits im 13./14. Jh. wurde in Wien – vermutlich zur Verfeinerung der Tischkultur-  die Technik der Glasur benützt. Besonders Aquamanile, Ausgussgefässe, Dreifußschüsseln, Sparbüchsen, Kinderspielzeug, Kacheln und Lämpchen wurden mit einer gelblich-braunen oder grünen Bleiglasur überzogen. Glasierte Keramik ist ein Zeichen des aufstrebenden Bürgertums in der Stadt, im ländlichen Raum ist diese Entwicklung erst im Laufe des 15. Jahrhundert beobachtbar. (vgl. Keramische Bodenfunde aus Wien, p. 89) – Siehe auch vorhergehende Berichte zu Glasur.

Im Zusammenhang mit der Wiener Keramik des Mittelalters empfehlen wir euch als weiterführende und eingehendere Lektüre die Publikationen der Stadtarchäologie bzw. Uni Wien:

  • Keramische Bodenfunde aus Wien. Mittelalter – Neuzeit (a 1982). Wien: Eigenverl. der Museen der Stadt Wien.
  • Hofer, Nikolaus (2010): Handbuch zur Terminologie der mittelalterlichen und neuzeitlichen Keramik in Österreich. Horn: Berger (Fundberichte aus Österreich : Materialhefte : Reihe A : Sonderheft, 12).
  • Gabriele SCHARRER-LIŠKA: Die Entwicklung hochmittelalterlicher Vorratsgefässe aus Grafitkeramik im Gebiet des heutigen Ostösterreichs und der angrenzenden Gebiete (online)
  • (mehr in unserer Literaturliste)

 

Anbei als Beispiel Wiener Keramiken des 14. Jh. eine Handvoll Aufnahmen aus dem Keramikdepot der Stadtarchäologie Wien, wo wir Ende 2011 Jahr für unsere Rekonstruktionen einige Originale vermessen durften.

Teil 1 – Becher ist gleich Becher
Teil 2 – Glasuren ja oder nein
Teil 4 – Töpferscheibe oder Werktisch
Teil 5 – Brennofen

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2 Kommentare auf "Keramik 3 – Formen in Wien"

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[…] Mal geht es um die Wiener Keramikfunde und damit um die konkreten […]

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