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Pflanzenfärbung im Mittelalter Teil 2: Handel mit Färbepflanzen und deren Belegbarkeit durch historische Quellen

Sandra von den Burgaere Lintze wollte wissen, wie weit Färbepflanzen als billig oder teuer gelten können.

Eine ansich sehr simple Frage, dachte ich mir und machte mich gleich über meine Bücher her… um sie kurz danach frustriert zuzuschlagen… denn für Österreich gibts in den Werken kaum Quellen, die wenigen österreichischen Publikationen zu dem Thema sind leider auch eher ungenau bzw. unkonkret, sprich um dir, liebe Sandra, da eine konkrete regionale Auskunft zu geben, müssen wir einmal in das Thema Anbau in Österreich generell eintauchen… Und das wird etwas dauern, aber ich bleibe dran!

Was ich bisher  sagen kann ist folgendes:

Bereits  seit dem 12. Jh. herum florierte ein intensiver Handel mit Färbepflanzen. Dies betraf nicht nur “exotische” Färbemittel wie Rotholz (Indien, Persien), Indigo, Saflor (Ägypten, Persien), Safran, Kermes, etc. welche über Pisa, Venedig bzw. den Levantehandel, zu uns kamen, sondern auch “heimische” Färbepflanzen wie Waid und Krapp. Safran und Saflor wurden ebenfalls ab dem 13. Jh. zunehmend in Europa angebaut.

Kurz: selbst bei “heimischen” Pflanzen kann man für seine dargestellte Region nicht gleich sofort von “billig” ausgehen, sondern muss erstmals genau recherchieren, was denn in der jeweiligen Region angebaut worden ist!

Hier eine kurze Übersicht der mir bekannten europäischen Anbaugebiete/Zentren, welche stetig erweitert werden wird:

  • So wurde in Österreich bis ins 20. Jh. hinein in der Umgebung von Krems/Maissau Safran kultiviert – der übrigens als einer der besten Sorten galt! In der Umgebung um Krems/Wachau wächst auch heute noch viel wilder Waid, hier wäre es interessant dahingehend nachzuforschen ob es da bereits früher eine lokale Waidquelle gab!
  • Basel in der Schweiz war durch seine günstige Lage am Knotenpunkt des Rheintals Zentrum des Safranhandels
  • Saflor ist ab spätestens 1490 für Elsaß und Thüringen nachweisbar, ist jedoch bereits ab 1300 in D heimisch.
  • Für Waid war  Thüringen zwischen 1250 und 1560 mit seinen “Waidstädten” Erfurt, Gotha, Tennstedt, Arnstedt und Langensalza führend im Waidexport. Thüringer Waid gelangte u.a. nach England, Flandern, Holland. Aber auch um Nürnberg war eine Waidgegend lokalisiert. Weiters im Dreieck Aachen, Jülich und Köln.
  • Krapp wiederum wurde großflächig in Deutschland großflächig angebaut. Von Speyer aus sind Exporte nach Polen, Flandern, England und Italien nachweisbar. Weitere Anbaugebiete finden sich in Holland, Schlesien (nach Nürnberg exportiert), Ungarn und Südfrankreich. Der sogenannte Levantinischer Krapp hat seinen Namen aus dem italienischen Anbaugebiet Levante.
  • Färberscharte: Sachsen, Schlesien (Nachweis spätestens 1490)

In diesem Zusammenhang und als Erweiterung zum letzten Post möchte ich euch zu André Hennings Seite weiterleiten, der in den letzten Tagen in mühseliger Fitzelarbeit eine sehr tolle Tabelle zu den einzelnen Färbepflanzen, wie sie in den Färbeanleitungen des 14.-16. Jh. aufscheinen, gemacht hat!

Weiters ist diese Arbeit hier zu Färberpflanzen in Österreich sehr lesenswert!

Quellen: 

  • Leix, Alfred; Koelner, Paul; Chevalier, A. (1936): Färberei im Mittelalter. In: Ciba-Rundschau (1).
  • Sakuma, Hironobu (1993): Die Nürnberger Tuchmacher, Weber, Färber und Bereiter vom 14. bis 17. Jahrhundert. Zugl.: Bayreuth, Univ., Diss., 1991. Nürnberg: Korn und Berg (Nürnberger Werkstücke zur Stadt- und Landesgeschichte, 51).
  • Schweppe, Helmut (1993): Handbuch der Naturfarbstoffe. Vorkommen, Verwendung, Nachweis. Sonderausg. Hamburg: Nikol-Verl.-Ges.
  • Struckmeier, Sabine (2011): Die Textilfärberei vom Spätmittelalter bis zur Frühen Neuzeit (14. – 16. Jahrhundert). Eine naturwissenschaftlich-technische Analyse deutschsprachiger Quellen. Zugl.: Hannover, Univ., Diss., 2011 (2011). Münster u.a: Waxmann (Cottbuser Studien zur Geschichte von Technik, Arbeit und Umwelt, 35).
  • Leix, Alfred; Neuburger, M.C (1936): Handelswege und Farbenmärkte im Mittelalter. Basel: Ciba-Rundschau (9).
  • Hofmann, Regina (1992): Färbepflanzen und ihre Verwendung in Österreich. Wien: Selbstverl. der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Österreich.

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2 Kommentare auf "Pflanzenfärbung im Mittelalter Teil 2: Handel mit Färbepflanzen und deren Belegbarkeit durch historische Quellen"

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Danke dir für die wirklich prompte Antwort und bin gespannt was du noch rausfindest, bist du in Sachen färben bereits viel besser eingelesen als ich.