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Seidenhaspeln

Seide stammt von der Seidenraupe/Maulbeerspinners, einer eher unscheinbaren Falterart, und ist ein aus dem Inhalt ihrer Spinndrüsen erzeugter Faden im Zuge der Verpuppung in Form eines Kokons (ca. 35 mm lang, 20-25 mm im Durchmesser). Der äußere und innerste Teil ist ein lockeres, durchsichtiges Gespinst, die sogenannte Flockseide, welche nicht wirklich brauchbar ist. im Innersten findet sich der Kokon in einer pergamentartigen Hülle.

Insgesamt sammeln sich auf einem Kokon knapp 1000 m Seide an, doch nur die dazwischenliegende Schicht, welche ca. 300-600 m verwertbare “echte, reale” Seide enthält, ist für die Fadengewinnung von Nutzen.

Da die Schmetterlinge beim Auskriechen den Kokon und damit den Faden zerstören, müssen die Puppen vor dem Abwickeln getötet werden. Dies geschieht durch Kochen im Heißwasser oder Dampf, schonender ist aber das Frieren für die Tiere.

Für das Haspeln der Kokons der Seidenraupe benötigt es im Prinzip 3 Dinge: Einen Behälter, in welchem die Kokons in heißem Wasser eingeweicht werden können, ein Gerät, um die Flockseide “abzubürsten”, eine “Öse” über welche die einzelnen Fäden gebündelt werden, und eine Haspel zum Aufwickeln der Fäden. Mittels des vom Wassers erweichten Seidenleims kleben die einzelnen Seidenfäden  sofort aneinander und bilden, ohne eine Drehung zu haben, einen starken Faden zusammen.

Die gehaspelte Seide ist auch als Rohseide (Grezseide, Grègeseide) bekannt und wird oftmals mit zwei oder mehr Fäden verzwirnt (Seidenzwirn, muliniertes Garn). Je nach Qualität und Dicke des Fadens wird sie für die Weberei, Strickerei, Näharbeiten genützt.

Stickseide ist ein flach gedrehter einfacher Rohseidefaden, oder wird aus 2-10 nicht gedrehten Rohseidefäden durch eine schwache Drehung gebildet. Der ganze Faden breitet sich flach aus und nach dem Kochen und Färben sind die einzelnen Fäden wieder unterscheidbar. Rohseide ist im Glanz noch eher stumpf und hart. Sie ist noch “unentschält”.

Als “Entschälen” (oder auch Entbasten) wird der Vorgang des Kochens mit Seifenlauge bezeichnet, bei welchem der Faden von Seidenleim und evtl. Farbstoffen befreit wird, wodurch sie glänzender und leichter färbbar. Hierzu werden die Strähnen bei ca. 90 Grad Celsius mit starker Seifenlauge behandelt, ausgewunden, danach in einem Sack in schwächerer Seifenlauge erneut gekocht und getrocknet. Nach diesem Vorgang sind auch die einzelnen Seidenfäden wieder erkennbar.

Unter Florettspinnerei  (Bourettseide) versteht man das Verspinnen der Abfälle, d.h. Reste von Zwirnen, der Flockseide und der pergamentartigen Kokonhülle.