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Ein bisschen mehr Farbe, soll ich es wagen?

Es gibt ja im Reenactorleben immer so ein paar Dinge, die sieht man irgendwo und man will sie direkt haben. Und dann kommt hoffentlich das Nachdenken über das wie und das ob. Und darüber, ob man nicht berechtigerweise furchtbar aufläuft bei den Fellow-Reenactors, die einem die Peer-Review liefern für die Rekonstruktion. Ein kleiner Bericht aus der Forschungsarbeit.

Ausgegangen bin ich vor schon längerer Zeit von 3 österreichischen Abbildungen aus der Concordantiae caritatis aus Lilienfeld um 1349 und aus dem Codex 168 aus 1336 aus Graz. Das eine zeigt Kruselerschals mit Streifen an den Enden beim Bleichen mit Schwefeldämpfen und die anderen eine Dame  und eine Dienerin (?) mit einem blaugestreiften Schleier.

     (Mit freundlicher Genehmigung von Imareal)

 

Dazu fiel mir natürlich direkt der Textilfund von Burgos ein, in dem auch Schleier mit eingewebten Streifen enthalten sind. Aber kann man des jetzt einfach so nachmachen? Insbesondere als einfache Frau, wo doch der Schleierfund aus Seide ist?

Neu befeuert wurde das immer wieder durch Abbildungen aus dem 15ten Jahrhundert, wo Schleier und Hauben mit gestreiften Tüchern gezeigt werden.

Aber den entscheidenden Ansporn gab mir dann eine Phase, in der ich viele oberitalienische Maler des 14ten durchgeguckt habe. Dort scheint der gestreifte Schleier ein sehr gängiges Modell zu sein in allen Schichten. Sowohl mit einfachen Streifen als auch mit aufwändigen Musterarbeiten, die mich an die Perugia-Tücher denken lassen. Einige scheinen sogar Goldfäden miteingewebt zu haben, was auch wieder an die Burgosfunde anschließt, in denen eingewebte Goldfäden an den Rändern nicht nur als schmückendes Beiwerk sondern sogar als Möglichkeit zum Formen von Kruselerrändern angesprochen werden.

Die Verwendung der gestreiften Tücher zieht sich durch die Stände, man findet sie in verschiedenen Ausführungen bei Bediensteten, Hebammen, adligen Damen und sogar reich dekorierte Madonnen. Ich habe hier eine ganze Pinterestsammlung zusammengestellt, die viele Abbildungen dieser Schleier zeigt, hauptsächlich aus Italien, aber auch zB Deutschland und Schweden, Frankreich und Spanien. Auch zwei weitere österreichische Beispiele konnte ich auftreiben. Da wir durch die Handelswege von Venedig nach Prag deutlichen Einfluss aus Italien genießen im mittelalterlichen Wien, sind manche Dinge, grad wenn sie auch mit lokalen Belegen korrespondieren, doch ganz gut übernehmbar aus den detaillierten Abbildungen der italienischen Malerei.

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Entschieden hab ich mich dann für ein einfaches Modell, weißer Schalschleier mit ganz simplen blauen Block-Streifen, da diese am häufigsten zu sehen sind an einfachen Frauen. Interessant finde ich übrigens, dass in vielen der Abbildungen nicht nur Streifen sondern auch Fransen an den Rändern zu sehen sind. Drum hab ich das mal bei meinem auch sogemacht.

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Ja und so sieht das also aus. Praktisch und leicht zu wickeln und mit der Haube drunter auch ausreichend verhüllend.

 

 

 

 

PS: Die dicke Lippe hab ich mir natürlich dabei zugezogen, als ich Gromis aufm Middelaldamarkt verprügelt hab (scherzi, üble Fieberblase)

 

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