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Der gantz Hausrat – begleitender Artikel zur Adventserie 2018

Hans Sachsens Spruchgedicht „Der gantz Hawsrat“

 

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt…
Auch diesen Advent wollen wir wieder jeden Tag euer Wissen über das Leben im Spätmittelalter ein bisschen erweitern und euch somit „erleuchten“.

Schon vor einiger Zeit ist uns dank Jens von Diu Minnezit diese Abbildung aus dem späten 15. Jahrhunderts in die Hände gefallen (das Verlobungsbild von Hans Paur), das den kompletten Hausstand eines jung verheirateten Paares in 24 Bildern repräsentieren soll. Wir beschlossen, das würde sich ja hervorragend für ein 24 Tage dauerndes Special eignen.

Natürlich zeigen wir euch entsprechend auf die Mitte des 14. Jahrhunderts abgestimmte Gegenstände aus dem Haushalt eines Wiener Bürgers und Handwerkers, die Inhalte unserer Bilder werden sich also etwas unterscheiden. Wir waren ehrlich gesagt überrascht, wie viele dieser Gegenstände wir tatsächlich besitzen.

Als Begleitung möchten wir euch den Text eines aus dem frühen 16. Jahrhundert stammenden Gedichtes in Teilen einbinden, der die Inhalte dieses Bildes wunderbar widerspiegelt. Das volle Gedicht findet ihr hier in voller Länge.

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Als ich ains tags zu dische sas

Mit meim gesind das fruemal as

Kam zu mir ein junger gesel

Ganz eillent mit grosem geschel

Und pat mich ich solt so wol than

Des tags werden sein hayrath man.

 

Ich antwort im wo oder wen

Er sprach ich solt nur mit im gen

Es wer vorhin wol halb geschehen

Da ward ich wider zu im jehen

Wie eist, es wirt dir noch zu frue

Wen du versuchst angst, sorg und mue

So in der e(h) liegen verporgen.

Er sprach ich las die fögel sorgen

Die muesen in dem wald umbfliegen.

Ich sprach die lieb thuet dich petriegen

Und plendet dich in diesen sachen.

Die e(h) wirt dich wol sorgen machen.

Er sprach warumb das west ich gern

Ich sprach du wirst palt innen wern

In dem hausalten mit dem hausrat.

 

Er sprach wen man zwo schuesel hat

Und ainen löffel oder drey

Ein hafen oder vir darpey

Des kann man sich gar lang petragen.

Ich sprach ich will dirs anderst sagen

Es ghört vil hausratz zum haushalten

Wiltu es anderst recht verwalten

Den ich dir nach einander her

Erzelen will doch ongefer.

 

Erstlich in der stueben gedenck

Muest haben disch, sessel, stuel und penck

Panckpolster, fues und ein faulpet

Gieshalter und ein kandel pret

Handzwehel, dischduech schuesselring

Pfanholz, löffel, deller, kuepferling

Krawsen, Engster ein pierglas

Kutrolff, drichter und salzfas

Ein kuelkessel, kandel und flaschen

Ein pürsten gleser mit zu waschen

Leuchter, purscher und kerzen vil

 

Schach, karten, würffel und pretspiel

Ein reisende ur (?), schirm und spiegel

Ein schreibzeug, dinte, papir und siegel.

Die wibl und andre puecher mer

Zu kurzweil und sitlicher ler.

 

Darnach in die kuechen verfueg

Kessel, pfannen, hefen und krueg

Drifus, pratspies gros und klein

Ein rost und pretter mus da sein.

Ein wuerz püchs und ein esich vas

Mörser und stempfel auch uber das.

Ein laugn vas, laugen haffen und zwo stuerzen

Zu feures not ein messen spruezen

Ein fischpret und ein riebeisen

Schüsselkorb, stuerzen spicknadel weisen

Ein hackpret, hackmesser darzu

Salzfas, wermpfannen senffschüssel zuu

Ein fueldrichter ein durschlag eng

Faimlöffel und kolöffl die meng

Ein spülstant panczerfleck darpey

Schüssel und deller allerley

Plez klein und gros ich dir nit leug

Scwebel zuinter und feuer zeug

Ein feuer zangen ein ofen kruecken

Das feuer pöcklein zu hin schmücken

Ein degel, plaspalck, offen ror

Ein offen gabel must haben vor

Kin spen und holtz zum feuer frisch

Ein pessen, strowisch und flederwisch

 

Auch mustu haben im vorat

In der speiskamer frue und spat

Prot, kes, ayr, flaisch und schmalz

Fisch, öpfel, pirn, nüs und salz

Pachen flaisch, vurr flaisch und speck

Latwergen, leckuchen und andren schleck

Rosin, mandel und weinperlein

Was man sunst macht in zucker ein

Zucker, confect und spezerey

Wuerz, rotrueben auch darpey

Knoblach, zwibel und abschlag

Peterlein, retig nuezt man all tag.

Linsen, gersten und arbes gel

Hirs, reis, haiden und wayzen mel

Hunr uend gens, endn und fögel

Die machen die gest frölisch und gögel

Ein aufheb schuesl, ein zuleg deller

 

Nun must auch haben in dem keller

Wein und pier ie mer ie pesser

Ein schrolaitter und ein damesser

Ein faspörer mues auch da sein

Ein roren und ein kuerlein

Ein stentlein und etlich kandel

Weilschlauch und was gehört zun handel

Saur kraut, payrisch rueben und weis rueben

So die alten in sant ein grueben

 

Wilt nun in dein schlafkamer gen

So mues darin ein spanpet sten

Mit strosack und eim federpet

Polster, kÜes, leylach und deckpet

Deck, prunzscherben harnlgas ain petuch

Nacht hauben, pantofel, nachtschuech

Und auch ein druhen oder zwu

Darein man wol peschliesen thu

Gelt, silber gschirr von pocalln

Klainat, porten, scheurn und schalln

Die ding gar wol thund in dem alter

Auch mustu haben ain gwant halter

Darein du heckst rock mantl und schauben

Kittl, pelz, hosen, wamas und hauben

Hemat, piret, huet, klaider und stauchen

Auch was man zu dem gwant mues prauchen

Ein gwantpuersten und ein gwantpesen

Pisn ist almal gut drin gwessen

 

Auch muest sunst haben in gemein

Vil hausrat in dem hause dein

Darin man beglich flick und pesser

Ein segen, neber und schnit messer

Hamer negel, maisl und zangen

Hobel, hantpeyyel ein laitren hangen

Schauffel hauen und art nuezt man gern

Ein rechen, schlegel und ein latern

Auch werckzeug mancherley vorat

Zu deim handl in dein werckstat

Den selben kann ich dir nit zeln

Du wirst dirn selbert wol pesteln

 

Auch muestu haben knecht und maid

Die selben leg, trenck, speis und klaid

Darzu ein hund und auch ein kazen

Vur die dieb, meus und auch die razen

Auch muestu für dein maid und frauen

Nach einem spinredlein umb schauen

Rocken, spindl und haspel guet

Scher, nadel, eln und fingerhuet

Ein schwarzen und ein weisen zwirn

Marckorb, dragkorb, sicck, kernirn

 

Auch mues sie haben zu dem waschen

Laugen, saiffen, holtz und aschen

Muelter, waschpock und zueberlein

Gelten und scheffl gros und klein

Waschdisch, weschpleul und stangen

Daran man thu die wesch aufhangen

Leilach, küszichen und unterhem

Halshem, facilet, goller nach den

Wen man den in das pad will gan

Ein krueg mit laugen mues man han

Padmantl, padhuet und haupttuech

Peck, puersten, kamb, schwamen und pruech

 

Get dan die frau mit ainem kindl

So bracht um vier undzwanzig windel

Ein furhang und ain rumpfel kes

Weck, kes und ubs zu dem gefres

Ein kintpet pet, dem kind ein wiegen

Als den so muest im stro du liegen

Das kind die halb nacht hören zannen

Muest haben milch, mel und kindpfannen

Ein kindsmaid und ein lübelein

Erst gez neber den peutel dein

Die hebam mustu zalen par

Die kllnerin hat auch kein spar

Wie sie dirs gelt vertragen kann

Darnach gieb ir auch iren lon

Darzu pezal auch knecht und maid

Dröpfl schuld dund dir vil zu laid

 

So get die lossung auch daher

Der hausziust laust dir auch da her

Kanstu solchs alles nit erschwingen

Muest im versezten don den singen

Schau in solcher armuet und mue

Manch jung Gvolk in irer plüe

Und irem jungen pluet verderben

In armuet pleiben pis sie sterben

So hab ich dir zelt ausgesundert

Des hausraz stueck pis in drey hundert

Wie wol noch vil ghört zu den dingen

Draustu dir den zu wegen pringen

Und darzu weib und kind erneren

So magstu greussen wol zu eren

Drum pdenck dich wol es ligt an dir

 

Da hueb er an und sprach zu mir

Mein lieber maister Hans ist das war

Will ich gleich harren noch ein jar

Pis wider kumet die fasnacht

Ich hab es nit so weit pedacht

Das so vil in das haus gehört

Die lieb hat mich plent und pedört

Weil ich pedacht in meinem herzen

In der E wer nur schimpfen und scherzen

Der dreuen ler sag ich euch danck

Ich antwort im es ist mein schwanck

Darumb magstu thun was du wilt

Den hausrat hab ich fürgepilt

Zu warnung dir und jungen leuten

In dreuen darmit zu pedeuten

Das man fürsichtig hayraten sol

Den unkost vor pedenck wol

Auf das sein nachreu daraus wachs

So spricht von nurenberg hans sachs.

 

Anno salutis 1544 am 12 tag decembris

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