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Warum ich dieses Hobby mache

Aufgrund aktueller Ereignisse würde ich euch gern ein bisschen über meinen Zugang zu diesem Hobby erzählen.

Meine ersten Schritte im Bereich „Mittelalter“ machte ich damals durch eine CD mit Musik, die mir ein lieber Freund gegeben hatte, auf der unter anderem Bands wie Findelkind, In Extremo und Subway to Sally zu finden waren. Ich, das junge unerfahrene Ding mit leichter Affinität zum Rock, fand diese Musik großartig.

Und da begann ich mich weiter zu informieren, besuchte Feste, nähte meine erste „Gewandung“, die nach meinem heutigen Wissensstand einfach unmöglich war 🙂
Meine Ambitionen waren nicht groß, ich wollte feiern, ich freute mich über das gute Essen, die nette Musik und die ungewöhnlichen Leute auf den Festen, die sich für vieles interessierten, für das sich mein kreativer Geist auch interessierte. Weitere Nähversuche gingen ins Land, der Ehrgeiz wurde etwas größer. Ich wollte „echt“ wirken, kaufte Leinen ein und hielt meine Gewandung in Naturfarben.

Einige Zeit später entdeckte ich dieses Forum im Netz, in dem sich viele kompetente Leute tummelten, die mir das Gefühl gaben, da draußen gibt es auch noch mehr. Ich begann mich für historisches Handwerk zu interessieren und mich nach Gruppen umzusehen, in denen ich dieses lernen könnte und umsetzen.
Und dort lernte ich auch Fadensucht (Firiel) kennen und wir führten einen angeregten Briefwechsel, mit dem sie es schaffte, mich vollends zu begeistern von der Idee, es doch einfach zu tun, historisches Handwerk selbst zu lernen und auszuführen.

Glaubt nicht, ich wäre sofort überzeugt gewesen. Ich sah es anfangs als sehr mühsam an, mir Quellen zu erarbeiten. Wo anfangen in einer Bibliothek mit tausenden von Büchern? Ich fühlte auch kein Verlangen danach, meine fantasievollen Gewandungen abzulegen und gegen hässliche Wollsäcke zu ersetzen. Und es war mir lästig, etwas mit der Hand zu nähen, was man danach ohnehin nicht sehen würde. Zeitverschwendung, dachte ich.

Aber jetzt kann ich sagen, bin ich froh, dass Firiel mich weiter ermuntert hat und begeistert hat für das wirkliche historische Mittelalter. Sie zeigte mir eine ganz andere Seite des Hobbies. Eine Seite, die sich nicht zum Ziel setzt, etwas anzuziehen zu haben für eine Veranstaltung und dort gut auszusehen, sondern deren eigentliches Ziel die Herstellung selbst ist. Ich begriff, dass die stete Verbesserung und das stete lernen das erfüllende an diesem Hobby ist. Dass es unglaublich spannende Aspekte am Leben der Menschen dieser Zeit gibt jenseits von romantischen Vorstellungen, die man den Märchen der Gebrüder Grimm entnimmt.
Ich begann, in von Schleiern verhüllten Gesichtern die wahre Schönheit von Frauen zu erkennen. Und ich lernte gleichzeitig, mein eigenes, modernes Dasein ganz anders wahrzunehmen. Dass die Frau heute so unbeschwert all die Dinge tun kann, auf die sie Lust hat, ist eine Entwicklung, die wir den letzten 30 Jahren zu verdanken haben. Und trotzdem gehen hartnäckige und falsche Gerüchte über die Frau des Mittelalters um, die so nicht stimmen oder nicht so bewertet werden können, wie wir sie heute bewerten.
Die Realität der Menschen des Mittelalters war eine gänzlich andere als die unsere. Sie dachten anders, ihre Ziele waren anders, ihre Wahrnehmung. Wie würden wir uns verhalten, wenn wir wüssten, dass der Tod uns jederzeit holen kann, spätestens wenn wir 40 oder 50 sind, viel öfter aber auch noch davor? Wenn wir wüssten, dass alles, was zählt, ist, sich für die viel längere Zeit des ewigen Lebens im Paradies vorzubereiten? Kann man sich in diese Gedankenwelt einfühlen, beginnt man erst die eigene von einer ganz anderen Seite zu sehen. Und da wollte ich auf einmal so nahe wie möglich dieses Leben am eigenen Leib erfahren. Ich wollte meine Kleider mit der Hand nähen, weil ich erfahren wollte, wie viel Zeit man wohl benötigen würde dafür, ich wollte wissen, was so ein Kleid wirklich wert war. Ich wollte meine eigenen Fähigkeiten austesten und erfahren, ob ich als moderner Mensch nicht auch solch schöne Dinge erschaffen könnte.

Und zu dieser wahren Erfahrung, die vor allem durch nichts verfälscht wird, führt einen eben nur, mit wissenschaftlichen Methoden zu arbeiten, anzunehmen, was einem vorliegt und keine Vermutungen auszusprechen, die von meinem modernen Geist erschaffen wurden, der sich gern den leichtesten Weg sucht, denn dadurch kann man nur zu oft falsch liegen. Hier hilft nur, sich selbst auszutricksen.
Man darf diesem Geist nicht erlauben, einem das Erlebnis zu versauen, etwas neues zu lernen, weil er in modernen Mustern funktioniert. Und deshalb muss man sich an die Fakten halten und an die wissenschaftliche Logik, die emotionalen und durch Erfahrung geprägten Bewertungen und Einschätzungen keine Chance gibt.

Im Grunde geht es mir also wie vielen von euch. Ich suche eine Antithese zur kalten und hektischen Welt des modernen Alltags. Und ich glaube sie im Mittelalter zu finden, der Zeit, die sich in der Menschheitsgeschichte am klarsten hervorhebt durch einen Wissensstand und eine Art zu leben, die sich mit nichts davor und danach vergleichen lässt

Und vielleicht kann ich ja mit dieser Tätigkeit auch mehr von euch dafür begeistern, diese Erfahrung zu machen.

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