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Kopfbedeckung

Sloyer, Gebent

Die Frau des 14. Jh. verhüllte in der Regel ihr Haar aus Gründen des moralischen Anstands mit einem Schleier aus Leinen oder Seide. Ob es sich dabei um eine Kombination aus Gebende, Gebende, Rise und Schleier, Haarnetz, einfache, teils turbanartig, um den Kopf geschlungengene rechteckige, lange Tücher oder Blumenkranz (Schapel) handelte – die Spielvarianten waren grenzenlos!

„…ez ist ain man vil gar betoret / der sein hub vnn velt verchauffet / daz sein weip auffs hiern hauffet / ain vogel haisst der withopf/ der hat ain semleichs auff dem chopf / …“ (Heinrich d.T., B 151 b 39-43)

Nicht nur weiß, sondern auch farbig konnten die Schleier sein – bei den Frauen beliebt, bei der Gesellschaft aufgrund der Übernahme von Sitten, wie auch dem Schminken, der Hübschlerinnen, teils ungewünscht, waren gelbliche Schleier (wohl mit Safran gefärbt, wie Textquellen des 13. Jh. andeuten), widersprach er doch dem Zeichen der Untertänigkeit.

Heinrich von Langenstein:

„Von slairn die die fraw gilbent und verbent. Ez ist eze meiden daz gelbew varb an slairn und alle zierd an weibleichen gepent ze meiden und ze straffen sey.  … Ein fraw tregt darumb gepent auf iren haupt daz man dapay erchenn daz si dem man vndertänig sol sein und der man über si man beweist es auch damit und ist ain zaichen dez ersten prechen und übervarn des gepots ein anvanch het von dem weib darumb tragend frawn gepent daz man sie mug erchennen von irem mannen und die man tragent chains“ (Hs. Nat. Bibl. Nr. 2997, 79 a.)
  

Auch prangert er den Usus an, mit welchen Frauen ihre aufwendigen Frisuren durch Haarteile (z.B. von Toten) verschönern.

 

Hüte, Gugel

Ob die im späten 13. Jh. modischen breitkrempigen „Hüte“ noch in Benützung waren, welche der schweizer Dichter  Johannes Hadloub (2. Hälfte des 13. Jh.s; † Anfang des 14. Jh.s in Zürich) auf seiner Wien-Fahrt im Frühjahr 1248 beklagte, weil sie die Gesichter der Österreicherinnen so stark beschatteten, dass es der Minne nicht zuträglich wäre, ist anhand der Quellen nicht bestätigbar:

„Der site ist in Österrich unminneklich, daz schoene vrouwen tragent alle huete breit: Wan ir minneklichen var ma man gar selten geschouwen, so si ir huete hant uf geleit“ (Johannes Hadloub,  VIII, 1 MSH II, 283)

Für das späte 14. Jh. existiert jedoch eine Glasmalerei sowie für das späte 15. Jh. hängt in den Prunkstallungen des Belvedere ein Werk aus der Umgebung von Lilienfeld, welche Frauen mit geflochtenen Strohhüten, im Stil vergleichbar mit den Hutformen aus der bekannten französischen Kreuzfahrerbibel des 13. Jh., über einer Schleierkonstruktion zeigen- und interpretative Assoziationen zu Hadloubs Kleiderkritik hervorruft. Aber auch der sog. seidene „Hemmahut“ im Domschatz von Gurk (Kärnten), angeblich aus der Zeit um 1300 (kunstgeschichtliche Vergleichsdatierung, keine C14-Methode!), würden Hadloubs Schilderung mit einer archäologischen Basis stützen.  Unter „Hut“ könnte Hadloub aber auch breite Hauben gemeint haben.

Auch manche Textbelege des 14. Jh. weisen darauf hin, dass Frauen, ebenso wie die Männer, mit Federn geschmückte Hüte trugen.

Im späten 14. Jh. finden sich wieder z.B. auf dem im Germanischen Nationalmuseum ausgestellten Spieleteppich breitkrempige Hüte, welche stark an den Hemmahut erinnern,  weiters auf der Freskomalerei der Burg Runkelstein (um 1390).

Die Gugel, welche an sich eher eine Männerkleidung darstellt, wurde spätestens etwa ab dem letzten Drittel des 14. Jh. auch als Kopfbedeckung der Frau populär. In anderen deutschen und schweizer Städten, z.B. Zürich, gibt es um 1370 herum Einschränkungen im Tragen von Gugeln für Frauen, eine zeitliche Einordnung, in Relation auf Teichners Schaffenszeit (siehe Zitat unten), für das Tragen der Frauengugel in unseren Breiten kann somit spätestens auch in diesem Zeitraum herum als wahrscheinlich geschätzt werden. Frühe Formen der Frauengugel finden sich – in der Regel geschlossen – aber bereits gegen Mitte des 14. Jh. vereinzelt in österreichischen Bildquellen (z.B. Cod. 1203). Sehr häufig werden Gugeln in diesem Zeitraum mit im Halsbereich nach hinten umgeschlagenen Gesichtsfenster dargestellt, wodurch die kontrastfarbige Fütterung sichtbar wird; auch der meist kurze Spitz wird nicht selten als nach vorne geklappt dargestellt. Andere Bildquellen zu der Thematik fehlen im österreichischen Kontext für Frauen, weshalb auch die Form der Gugeln – ob nur geschlossen, geknöpft oder offen im Stile der französischen bzw. flämischen Frauengugeln – für unsere Breiten ein eher hypothetisches Konstrukt wäre.

Die „Gugel“ als angeschnittene Variante eines Hemds kam der Reimchronik zufolge, in Folge der Geißlerbewegung als Konsequenz des Erdbebens 1261 in Sizilien über die Lombardei nach Südösterreich, wobei gugelähnliche Kleidung bereits in der Spätantike bekannt waren.

Um die Zeitspanne von 1290-1300 hat sie sich der Chronik zufolge jedenfalls als regionaler Trachtbestandteil in der Steiermark durchgesetzt.

„nû ist ein gewonheit
unde ein gemeiner sit
wont nû den Stîraeren mit,
der ist nû deheiner,
grôzer oder kleiner,
er müez an dem kragen
staet ein gugel tragen,
daz i der hals belîbe wîz.
ez wurd iu ein itewîz
kaemt ir mêre zuo dem Rîn!
iuch widersaezen die Henikîn
sô sêre niht mêr als vor
dô etlicher als ein môr
von arbeit was gevar
swarz und râmvar
was den wîben begarbe
ritterliche varbe.
nû behüetent si sich alle gelîch
mit den gugeln flîzicklich,
daz sie diu sunne niht verbrenne.
ouch was etewenne
ein site widerzaeme
der nû ist gar genaeme:
etlich man ir hâr ziern,
als wîlen tâten die dîern
und noch solden begân.
swâ wîbes siten phlegten man,
die hieten grôzen spot erliten.
dô man lebt nâch alten siten – 
ich gedenc, des ist niht lanc – 
swen grôzer frost betwanc,
daz er winderzîten
in einer gugel muost rîten,
der erbeit kûm
daz er âne sûm
di gugel ab naeme,
sô er ze herberg kaeme:
nû dunkt es manigen sô genaeme,
daz er halt ungerne kaeme
ûz der gugel, sô er izzet,
und swer sîn gugel nû niht mizzet,
daz der spiz hab spanne lenge,
und daz si niden sî sô enge,
daz daz houbt kûm hin durch kumt,
diu gugel niht enfrumt.
nû wolt got ir Stîraere,
daz iu der site noch liep waere,
des iwer vordern phlâgen.“ (Reimchronik, 77583-77632)

Für den Zeitraum um 1350-1379 herum dürfte sich die Gugelmode sukzessive in Restösterreich, wie auch in anderen europäischen Ländern, als von beiden Geschlechtern getragenes Kleidungsstück durchgesetzt haben.

„ê lieʒen sich die man schouwen âne gugel vor den frouwen : nû siht mans in den gugeln gân vor den frouwen als ein man, der sîn houpt niht sehen lât vor dem brechen den er hât, der niht zimlîch ist ze sagen. sô siht man die frouwen tragen ouch die gugel für gebant/ dass ay gegen ein anderer gant / frawen als man die lewt klagent / …“ (Teichner, C 219 ff.)

Kruseler

Im Zeitraum rund um 1340-1350 muss in Österreich der sogenannte Kruseler modern geworden sein, welcher bereits von einfachen Kruselern bis hin zu den aufwendigen Wabenkruselern reichte. Seine Hochblüte erreichte der Kruseler um 1360-1370, wurde aber beinahe bis zum Ende des 14. Jh. häufig getragen, vereinzelt finden er sich sogar noch bis etwa 1455 in Form aufwendiger Kruseler. Kruselertücher mit ihrer charakteristischen gekräuselten Webkante finden sich auch Ende des 15. Jahrhundert noch in Kopfbedeckungen (Haubenkonstruktionen). Besprechung Kruselerfunde und -Rekonstruktion.

Bildquellenverzeichnis: 

  • Biblia Pauperum, 1330-1340; cod. 1198, fol. 4v., 6v., 8v.
  • Concordantiae caritatis, Lilienfeld, 1349-1351; Cod. 151, fol. 11 v.,145 v., 158v.,  181 v.
  • Maria Laach; 1345-1355; Cod. 2069, fol. 24 v.
  • Glasfenster, Kloster Gaming (heute Stift St. Florian), um 1350, Johanna von Pfirt.
  • St. Hippolyt, Herward von St. Andreae, 1341; Cod. 1203, folio 23r., 127v., 241r., 266v.
  • Speculum Humanae Salvationis, 1350-1375, cod. 1636, fol. 26v.,47 v.
  • Speculum Humanae Salvationis,1330-1340,  Cod. 2612, fol. 6v., 13r., 29r., 39 v.

Alle historischen Bildquellen aus der Bildatenbank des ImaReals mit freundlicher Genehmigung des Instituts für Mittelalterliche Realienkunde Krems.

 

 

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