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Das Scharlachrennen in Wien

 

Oder: wie der Rennweg zu seinem Namen kam

Man stelle sich vor…

…eine johlende Menge findet sich an den Rändern des frühen Rennwegs bei St. Marx ein, einer Gegend, die in der Zeit unserer Szene noch von Weingärten geziert wird. Es ist ein heißer Junitag und alle sind in Feierlaune. Denn heute, während des Jahrmarkts in der Stadt findet wieder einmal das Scharlachrennen statt.


Gutaussehende junge Männer haben sich mit ihren prachtvollen Pferden von weit her zum Rennen eingefunden, diesmal mussten sie ausnahmsweise keine Maut zahlen bei der Einreise in die Stadt.
Die Reise hat sich gelohnt, winkt doch außer dem Ruhm und der Ehre des Sieges noch ein weiterer Preis, nämlich ein großes Stück Scharlach, ein besonders feiner Stoff von leuchtendem rot aus dem Farbstoff der Kermeslaus.
Aber nicht nur den wohlgestellten Pferdebesitzern kann heute das Glück hold sein, denn auch wer zu Fuß unterwegs ist, hat die Chance auf einen Gewinn. Freie Töchter und Knechte reihen sich ein, um einen der niederen Preise zu ergattern, ein Stück Barchenttuch.
Für die Reiter geht es einmal von dort in die Stadt hinein bis zur Wien und wieder zurück.
Die Teilnehmer richten sich zum Start, ein paar der Herren in der Zuschauer-Menge drängen sich nach vorne, denn sie wissen, was jetzt kommt. Die Frauen greifen ihre Röcke und raffen sie hoch in ihren Gürtel. Mit freien Beinen läuft es sich einfach besser. Auf der Tribühne fächelt sich der Herr Pfarrer frische Luft zu. „Hoaß heit.“ bemerkt er erklärend zu seinem Sitznachbarn, dem Herrn Stadtrat.
Das Startzeichen erfolgt und die Beine fliegen. Besonders bei den Laufenden geht’s zu, da wird gerempelt, gezogen und gestoßen und so mancher lässt seine Kopfbedeckung auf dem Weg, den Sieg sicher im Blick.
Wer an diesem Tag den Sieg errang, das wissen wir nicht, er ist aber der Held des Tages im Volk. Lachend und feiernd ziehen Läufer und Zuschauer zurück in die Stadt, wo bis in die Abendstunden weitergefeiert wird, der Bürgermeister hat heute die Spendierhosen an und richtet ein großes Festmahl zu Ehren des Gewinners aus.

So oder so ähnlich wird es wohl abgelaufen sein zwischen 1382 (Ersterwähnung) und 1534 zwei mal im Jahr, beim sogenannten Scharlachrennen anlässlich der Wiener Jahrmärkte. Der Weg, den die Läufer nahmen, trägt noch heute den bezeichnenden Namen „Rennweg“.
Auch heute noch gibt es Scharlachrennen im Pferdesport, natürlich mit anderen Preisen und abgeänderten Regeln.

 

Eine Ablaufsschilderung aus dem 15. Jh. findet sich in:

Dr. H.J. Zeibig: Copey-Buch der gemainen Stat Wienn. 1454-1464. p. 13/14., VI.; Schriftenreihe: Fontes Rerum Austriacum, 2. Abteilung, Diplomataria et acta. VII. Band; K.u.K Hof- und Staatsdruckerei, Wien: 1853

Ausruf zum 31.5.1454

„… das alle die, dy zu dem Scharlach wellent rennen lassen, ir lauffunde pherdt morgen nach essens in das Rathaws pringen, da wirt man sy aufnehmen vnd verschreiben, vnd sy sullen dieselben pherdt hincz Montag fru hincz  dem Bürgermaister pringen, da will man sy bulliren, das sy die mit einander auscziehen, vnd werdent von Swechent lauffen herrein zu dem Scharlach, vnd welhs das erst darczu ist, das hat den Scharlach gewunnn, vnd welhs das ander darczu ist, das hat gewunnen den Sparber, vnd welhs das lest darczu ist, das hat gewunnen die Saw.“

„Auch werden die freyen knecht zu ainem parhant lauffen, vnd welher der erst darczu ist, der hat den parhant gewunnen. Auch werdent die freyen töchtterl zu ainem parhant lauffen, vnd welche die erst darczu ist, die hat gewunnen den parhant.“

„.. das nyemandt die lauffunden pherdt irren, zusprengen, noch vrderennen sol; wer das vberfert, der muss den Scharlach gelten, hat er den phenng nicht, so wil man im ain handt abslahen on alle gnad. Auch sullen alle lauffenden pherdt mit einander geen in die Stat mit dem pherdt, das den Scharlach gewunnen hat vucz an die Herberg. Wer des nicht tut, der ist seins lauffenden pherdts vervallen an alle gnad.“

 

Weitere Quellen:

  • Ferdinand Opll: Nachrichten aus dem mittelalterlichen Wien.
  • Heinrich Berg: Das Scharlachrennen: Der mittelalterliche Wiener Pallio (Wiener Geschichtsblätter Nr 45, 1990)

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