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Spanschachtelmalerei

Die Liebe zu Farben spiegelte sich auch in der Gestaltung ganz alltäglicher Gegenstände wider. Was wir heute unter dem Begriff „Spanschachtel“ kennen, wurde im 14. Jhd. noch ganz einfach als „Schachtel“ bezeichnet und war ebenfalls farbenfroh gestaltet. Dass die typischen Behältnisse, die in keinem mittelalterlichen Haushalt fehlen durften, oft richtige Kunstwerke darstellten, zeigt die Rekonstruktion der bislang ältesten Spanschachtel aus dem Augustinerchorfrauenstift Steterburg ebenfalls aus dem 14. Jhd.

Selbstredend, dass auch die Spanschachtelmalerei in unserem 2. Modul nicht fehlen durfte. Dabei entschied ich mich für die Eitemperatechnik, weil die Farben viel schneller trocknen als bei der Ölmalerei und die Bearbeitung der Schachtel so erleichtert wird. Obendrein hatte ich die Eitemperamalerei einmal in der Schule ausprobieren können und war damals schon von der Technik begeistert.

Damit die Farben auf der Schachtel aber überhaupt halten, muss diese mit einem Kreidegrund überzogen werden. Im gut sortierten Handel für Malereibedarf fand ich die richtigen Zutaten dafür: Kreide, Zinkweiß (anstelle des giftigen Bleiweiß) und Hautleim, um damit das Leimwasser als Bindeglied zwischen den beiden Pulvern anzurühren.

Dafür muss der Hautleim einen Tag lang in warmen Wasser quellen und wird dann kurz aufgekocht. In diesem Zusammenhang kann ich nur eine Warnung an alle aussprechen, die den Topf genauso gerne unachtsam stehen lassen, wie ich das getan habe: der etwas klebrigere Teil des Leims setzt sich beim Erwärmen auf dem Boden ab, wenn man nicht zwischendurch umrührt. Diese Erkenntnis war mir zu Beginn nicht klar. Das Ergebnis ist nun ein ziemlich verklebter Topf, den ich ab jetzt nur noch für Bastelaktivitäten einsetzen kann. Da gilt wohl „selbst Schuld, kein Mitleid“. :-)

Trotz des kleinen Hoppalas war die Kreidepaste schlussendlich schnell vorbereitet und wurde dann großzügig auf den Schachteln aufgetragen.

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Bei der Eitemperamalerei werden Farbpigmente mit einem Bindemittel aus Leinöl, Wasser und einem Ei vermischt und auf dem Untergrund aufgetragen. Etwas trickreich ist daran, dass sich manche Pigmente schwerer zu einer Farbpaste vereinigen lassen als andere, was an der jeweiligen chemischen Zusammensetzung liegt. Kräftiges Mischen und Rühren, um eine deckende Farbe zu erzielen, sind dabei sehr wichtig.

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Nun stand der eigentlichen Kunst nichts mehr im Wege. Christina wünschte sich eine bemalte Spanschachtel für ihre Spielsteine. Was wäre da wohl passender als eine Spielszene aus dem Alexander-Roman, einer besonders schön bebilderten Handschrift des 14. Jhds aus Frankreich?

Spielszene           Vorzeichnung

Das Kopieren einer an und für sich recht kleinen Buchmalerei erwies sich als echte Herausforderung, besonders beim Versuch, die Skizze mit Kohle auf Pergament anzufertigen. Den nächsten Versuch werde ich mit Feder und Gallustinte wagen. Doch für den Anfang fand ich die Vorzeichnung gar nicht so schlecht. An die übrigen Details würde ich mich dann hoffentlich beim Malen erinnern.

Bestens ausgestattet mit den toll rekonstruierten Pinseln von Agnes und Niko konnte nun nicht mehr viel schief gehen. Nach dem Auftragen der Grundfarbe ging es dann an die Details. Das Malen auf Kreidegrund erwies sich dabei als recht angenehme Erfahrung. Sogar nicht vollständig mit dem Bindemittel verrührte Pigmente hielten sofort und verliehen z.B. dem Wiesenboden, auf dem sich die beiden Spieler niedergelassen hatten, eine erdartige Oberfläche und somit einen realistischen Eindruck.

Mit der Bemalung des Deckels verbrachte ich einen ganzen Tag, aufgelockert durch Erklärungen und Gespräche mit interessierten Gästen. Als es im Rittersaal langsam düsterer wurde und sich draußen der Tag dem Ende zuneigte, war auch unsere Arbeit beendet. Ganz wie im Mittelalter. Wenngleich die Spanschachtel noch nicht ganz fertig ist, so kann man doch schon die dargestellte Szene erkennen.

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Die Bemalung werde ich in den nächsten Tagen fertig stellen, damit sich Christina bald über ein würdiges Behältnis für die Spielsteine freuen kann. Für mich war es ganz sicher nicht das letzte Mal, dass ich mich mit mittelalterlicher Spanschachtelmalerei beschäftigt habe. Da könnte es noch die eine oder andere Fortsetzung geben.