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Seccomalerei

Bei unserem Modul „Die Welt war bunt“ habe ich diesmal ein Projekt ausgearbeitet, das ich schon lange als Wunschtraum gehegt hatte, aber mich nie getraut hab, es auszuführen. Die Seccomalerei ist ja nun ein Handwerk mit recht langer Vorbereitungszeit und besonders für die Vorführung materialintensiver als man denkt.

Ich hatte euch ja bereits in meinem kleinen Teaser gezeigt, dass ich hier in meinem Keller geheimnisvolle Massen in Eimern angerührt habe 🙂

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Bei dieser weißen Masse handelt es sich um Kalkputz, für den ich 3 Teile Bausand mit 1 Teil Sumpfkalk (beides im gut sortierten Baustoffhandel erhältlich) vermischt habe. Je nach Bedarf kann man da auch noch Wasser hinzufügen, allerdings sollte man das erst tun, wenn alles gut vermischt ist, man unterschätzt leicht, wie fein und flüssig der Kalk den Putz macht. Dieser Putz eignet sich dann hervorragend für Wandmalerei  – vorwiegend Fresko natürlich, aber auch Seccomalerei.
Die Masse habe ich – in Ermangelung einer Transportmöglichkeit für ganze Wände – in einen Rahmen geschmiert, den ich für diesen Zweck gebaut habe.

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Sobald der Putz mit Luft in Berührung kommt, beginnt der Kalk mit dem Kohlendioxid der Luft zu reagieren und das Ganze wird zu einer steinharten Oberfläche. Dadurch dass sich der Putz während des Trocknens ausdehnt und wieder zusammenzieht, hat er aber leider meinen Rahmen etwas gesprengt und unschöne Risse bekommen. Zweiteres muss man erwarten bei Kalkputz.
Für Seccomalerei trägt man immer 2 Schichten übereinander auf, für Fresko braucht man mehrere Schichten mit immer feiner werdendem Putz, aber das soll hier nicht Thema sein. Die zweite Schicht reißt dann für gewöhnlich nicht mehr. Glattstreichen ist ein Muss bevor der Putz trocknen kann. Max Doerner schlägt eine Trocknungszeit von 6 Wochen vor.

Als Farbe habe ich Kaseinfarbe benutzt (4 Teile Vollfett-Quark + 1 Teil Sumpfkalk), die man nach Belieben noch mit Wasser oder besser noch Kalkwasser verdünnen kann. In diese habe ich dann meine Pigmente gerührt. Dieses Anrührmittel soll das idealste für Wände sein, da es kräftige, matte Farben bringt, die schnell einziehen und – was am wichtigsten ist – nicht nachdunkeln, was bei Ölhaltigen Trägern der Fall wäre. Kaseinfarbe kann man im Kunsthandel auch als Pulver kaufen, allerdings habe ich davon nicht so viel positives gehört und das Kasein ist dort auch nicht mit Kalk sondern mit modernem Borax aufgeschlossen, alles in allem find ich es zu teuer, um die günstige und unaufwändige historisch korrektere Selbermachvariante ausreichend zu ersetzen. Übrigens ist frisch gelöschter Kalk oder Brandtkalk nicht geeignet, dieser reagiert noch Jahre lang nach und kann so die Arbeit komplett zerstören, ich verwende hier 1 1/2 jährig gereiften Sumpfkalk, professionelle Maler würden aber auch 20 oder 30-jährigen Kalk verwenden.

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Laut Doerner sollte man den Putz vor dem Malen kräftig anfeuchten mit Kalkwasser, bevor man mit dem Malen beginnt, das fand ich allerdings nicht ideal, denn die eiweißhaltige Kaseinfarbe fing auf dem feuchten Grund an, speckig zu glänzen, weil sie vom Grund nicht mehr eingesogen wurde, ich habe danach nur noch auf trockenem Grund gemalt.

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Ja und dann heißts eigentlich nur noch malen. Die groben Umrisse hab ich zuerst mit Kohle angezeichnet und dann mit meinen neuen Pinseln aus Muschelschalen gearbeitet.

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(ja, ich hatte mich zuerst um einen Kopf verzählt ^^)

Etwas allgemeines zu Secco:
Das Secco ist so etwas wie die kleine Schwester des Freskos. Zweiteres verlangt dem Maler ein hohes Maß an Arbeits-geschwindigkeit, Fachwissen und Kunstfertigkeit ab, da hier nicht nur die Vorbereitung des Grundes und der Farbträger kompliziert ist, sondern beispielsweise auch passende Pigmente ausgesucht werden, die nicht auf den Kalk reagieren und das Bild samt malerischem Aufbau muss gut vorbereitet werden. Die Tagesfrist, in der das Fresko aufgesetzt werden muss, ist für den mittelalterlichen Menschen in der Realität kaum einzuhalten.
Oft ist deshalb in der Antike und im Mittelalter eine Mischtechnik anzufinden, bei der Untergründe und grobe Strukturen in Fresko-, Details und Retuschen in Secco aufgetragen werden. Sehr gut erkennt man bei den meisten der noch erhaltenen Fresken, dass die Seccobereiche dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen sind und nur das Fresko erhalten blieb. Eine noch erhaltene Wandmalerei in Seccotechnik findet sich übrigens direkt in Wien, die Neidhartfresken sind in dieser Technik ausgeführt

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Die beiden hier gezeigten Motive sind übrigens thematisch von echten Fresken inspiriert, rekonstruiert wäre hier zu viel gesagt, einmal das 7-köpfige Tier aus der Offenbarung Johannes von Giusto de Menabuoi im Baptisterium in Padua aus dem späten 14. Jhdt
und einmal der Sündenfall nach einem Fresko in der Kapelle des Gurker Doms aus dem 13. Jhdt.

 

Allzeitempfehlung wenn es um praktische Anwendungen der historischen Malerei oder Malerei im Allgemeinen geht: Max Doerner – Malmaterial, ein absolutes Standardwerk an Kunstunis und Co.

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1 Kommentar auf "Seccomalerei"

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