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Plädoyer für die Open Source im Hobby

Auf unserem Blog wollen wir informieren. Über unseren Verein und unser Hobby, aber vor allem über Geschichte – tote und lebendige. Und wir möchten damit unser Erlebnis “Lebendige Geschichte” für andere nachvollziehbar und nacherlebbar machen. Ein großer Teil unseres Wissens – sofern er schriftlich verwertbar ist – landet hier und den anderen Seiten von wh1350.at

Diese Entscheidung fällten wir vor einiger Zeit in Folge verschiedener Ereignisse bei denen – zugegeben – auch wir uns nicht übermäßig mit Ruhm bekleckert hatten. Wir können nicht leugnen, dass auch wir eine Art ungesunde Stolzkultur pflegten.
Ich denke, ich spreche offene Geheimnisse an, wenn ich sage, dass viele erfahrene Reenactor bzw solche mit hohem wissenschaftlichen Anspruch sich ein Schmunzeln nicht verkneifen können, wenn sie Bilder von gewissen Märkten und Darstellern durchsehen und diese nicht dem Standard entsprechen, den sie für sich selbst haben. Und ich denke, jeder kennt die Gespräche an den Stammtischen, wo wieder geredet und gelacht wird über die “Wolpertinger” mit ihren Trinkhörnern und Springerstiefeln.

Wir erklären gerne jedem Laien, der uns auf Veranstaltungen anspricht lang und breit, wie etwas geht und wie etwas sich in der Geschichte dargestellt hat, aber wenn es uns jemand gleichtun möchte, verwehren wir ihm die genaue Auskunft. Sind wir vielleicht doch die A-Päpste, für die man uns hält?

Ich persönlich kann mich noch genau daran erinnern, wie mein Weg hin zum ernsthaften Reenactment ausgeschaut hat. Man stirbt ahnungslos, wenn man darauf wartet, dass einem andere ihr Wissen freiwillig und in für Anfänger verdaubarer Form geben. Hätte ich nicht wohlwollende Unterstützung und ein bisschen extrinsische Motivation von anderen bekommen, ich würde heute noch in bunten Lurexborten auf Mittelaltermärkten rumhopsen. Einfach, weil ich mit Menschen, die nur geifernd darauf warten, bis ich in ein Fettnäpfchen trete, um es mir dann reinzudrücken, keinen Kontakt haben wollen würde. Letztendlich ist es für die meisten ein Hobby, das nicht nur technische, sondern vor allem auch soziale Aspekte anspricht.
Und viele scheitern daran, dass sie von erfahrenen Reenactorn nur hören “Besuch lieber mal eine Bibliothek.” und dann nur ratloser sind als vorher, ja vielleicht sogar überlegen, ob es überhaupt Spaß machen kann, mit solchen Menschen ein Hobby zu teilen. Für uns als Erfahrene ist es selbstverständlich, welche Suchbegriffe man in welchem Bibliotheks-Katalog eingeben muss, wenn man Infos zu einem bestimmten Thema benötigt, aber wer vor einem Wald von Informationen steht und sie nicht zu filtern weiß, der kann sich schon verloren fühlen.
“Ja, wir mussten es uns ja auch erarbeiten.”, mögen jetzt einige von euch da draußen sagen. Das ist richtig. Aber die Arme zu verschränken und eine Schmolllippe zu ziehen, verändert gar nichts bis auf die Motivation des Neulings in die Negativrichtung.

Es zeugt weder von Reife, noch von Charakter, andere vor verschlossenen Türen stehen zu lassen und nur die, die den extrem mühsamen Weg durch menschliche und geistige Hindernisse – wie er sich momentan gestaltet – schaffen, in den erlauchten Kreis der Erleuchteten einzuweihen.
Wer denkt, dass es etwas negatives ist, auf einfacheren Wegen zu einer Darstellung zu kommen und damit zum Geschichtserlebnis, als man selbst, der ist vermutlich genau das, was die Markt-Wolpertinger von ihm denken, ein überheblicher und elitärer A-Papst 🙂 Wenn wir nicht daran interessiert sind, anderen Wissen zu vermitteln, warum machen wir dann dieses Hobby? Ist es nur um der Profilierung willen? Möchten wir wirklich solche Menschen sein?

Nein, haben wir gedacht, wir machen das eigentlich nicht allein für uns, sondern auch für andere und dabei ist es egal, ob das interessierte Besucher oder andere angehende Reenactor sind. Deshalb heißt die logische Konsequenz für uns, alles preiszugeben.

Wir können nicht all unser Wissen für uns behalten und uns dann darüber beschweren, dass andere es nicht haben. Wir dürfen nicht darüber lästern, wie unwissend manche auf den kommerziellen Mittelaltermärkten sind, wenn wir nicht zumindest Hilfe angeboten haben. Und wir können nicht Offenheit für das Dazulernen von anderen erwarten, wenn wir nicht offen und geduldig auf sie zugehen.
Wir lieben unser Hobby und wir möchten doch eigentlich auch andere dafür begeistern und wünschen uns, dass auch andere mit uns zusammen daran Spaß haben. Und deshalb halten wir uns seit einiger Zeit gegenseitig dazu an, hier auf unserem Blog und unseren Seiten alles an Info zu geben, was wir können und anderen zu erklären, was wir tun und vor allem wie wir es tun.
Letztendlich ist es doch auch das Sinnvollste, was wir tun können, um andere auf unseren Kurs zu bringen.

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4 Kommentare auf "Plädoyer für die Open Source im Hobby"

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Dieser Blog beschreibt genau diese diskussion, die ich bereits 2012 über das sinkende niveau auf mittelaltermärkten und das gewinnstreben der veranstalter angeprangert habe. Diese Diskussion hat bereits auf dem “mittelalterforum.com” stattgefunden wo überwiegend “A-Päpste” herkommen, übrigens waren auch damals Rotschopf und Firiel dort, daher kennen wir 3 uns auch. Ich finde, Rotschopf hat meinen Gedanken damals doch sehr gut verstanden und ist sogar noch einen sehr guten schritt voran gegangen und wenn sich jeder von uns daran hält kann man auch etwas beweben, denn von nichts kommt nichts. Wenn ich mal bedenke, ich habe mir die Lazarenerdarstellung eigentlich aus dem… Read more »

Ein interessantes Thema.
Ein großes Problem ist meiner Meinung nach, dass sehr viele Darsteller wohl noch nicht so richtig verinnerlicht haben, dass man über einen gut konzipierten Internetauftritt weitaus mehr Menschen erreichen kann, als auf Freiluftveranstaltungen.
So wie ihr das hier macht, ist das perfekt.
Auch weil ihr oft Neues reinstellt – im Gegensatz zu vielen anderen Seiten, bei denen vielleicht einmal pro Jahr ein paar Bilder aktualisiert werden und man lediglich zu lesen bekommt, wie toll es auf der Veranstaltung XY war (langweilig). Also, weiter so 😉

Hallo nach Wien,

sehr schöne Worte die zum nachdenken anregen.

Gruss aus dem Saarland

Markus

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