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Hartberger Zeitreise – Die Reise ist vorbei

Müde und ausgelaugt aber total happy sind wir gestern abend alle zu Hause angekommen.
Das Wochenende, das wir alle schon seit langem erwartet hatten, war zu Ende. Mit ein bisschen Wehmut packen wir zu Hause unsere Sachen aus. Denn wir mussten den Spielplatz verlassen, den sich jeder ernsthafte Reenactor wünscht.

Am Freitag reiste die IG 14. Jhdt (als 12. Jhdt-Team, ausg. Firiel als Spätantikerin) an und es wurde aufgebaut, vorbereitet und ausgepackt. Die kalte Nacht und das Bewusstsein, dass wir am nächsten Tag volle Leistung bringen würden, ließ uns früh ins Bett gehen und alles wartete gespannt auf den Samstag.

Der kündigte sich am frühen Morgen mit etwas wechselhaftem, aber warmem Wetter an. Perfekte Witterung für so ein Event.
Die Konstellation unserer Darstellung schien perfekt. Ein Ritter (mit Pferd!), eine adlige Dame, viele Handwerker und Gesinde, die die täglichen Arbeiten verrichteten und, was das Bild perfekt abrundete, 3 Kinder, die sich mit Niko“s mittelalterlichem Spielzeug beschäftigten. Allesamt in Kleidung des 12. Jhdt.

Niko hatte seine Gürtel dabei, Karl seine Schuhleisten, ich meine Flechtweiden, Anita und Christoph den Färbekessel und Andrea den Stickrahmen. Und Sonja und Doris kümmerten sich den ganzen Tag um unser leibliches Wohl, indem Sie die köstlichsten mittelalterlichen Speisen zubereiteten. Es gab Hirse mit Gemüse und Speck, Apfelmus mit Quendelkeksen, gebratene Fische, Eier mit gelber Soße, Würste und Käse, Zwiebelmarmelade, Rindfleischeintopf, Hirse-Milchbrei mit Äpfeln, geschmorte Marzipan-Pflaumen, Sauerteigbrot, viel Obst und klares Wasser und Abends das eine oder andere Glas gewässerten Wein oder Met. Ich hab schon lange nicht mehr so gut und viel gegessen wie dieses Wochenende. Es war einfach köstlich! Authentisches Essen kann ja derart gut sein! Das spornt mich direkt an, auch im Alltag öfter mal historisch zu kochen.

Der Vormittag verlief ruhig, nicht allzuviele Besucher waren da, aber das ist ja typisch für solche Feste. Dafür füllte sich der Schlosspark am Nachmittag mit vielen interessierten Besuchern und wir standen teils zu dritt an den Schautischen,um alle Fragen zu beantworten.
Dazwischen machte Andi, unser EINZIGER Ritter, immer mal wieder einen kleinen Ausritt in seiner Montur, samt Waffenknecht Niko, und zeigte damit das Bild des mittelalterlichen Ritters, wie es tatsächlich war. Hoch zu Ross und immer mit den dazugehörigen Untergebenen.

Anita & Christoph übten sich unterdessen im Lager des 12. Jh. in der Färbung von Schöllkraut.

Die Gentes Danubii, als Römer unterwegs, exerzierten quer durch den Park und die Schienenpanzer und genagelten Schuhe klirrten im Takt. Im Neolithikum beschäftigte man sich mit Handwerk und Mehlmahlen, die Ziegen meckerten, die Esel schrien und die Pferde mampften. Vom anderen Ende des Parks hörte man die temperamentvollen Ungarn musizieren und feiern und hin und wieder verwickelten sich die Hayduken in Zwiste, die publikumstauglich mit einer Prügelei ausgestritten wurden. Bei den Kelten gab es viele tolle Rekonstruktionen von der Glasspinnwirtel bis zum Bronzeschmuck zu sehen, die das Herz jeder Frau juchzen lassen. Und im 15. Jhdt (v.a. gestellt von Dreynschlag) sah man wie immer einfach toll aus bei verschiedensten Handwerken in oppulenter Kleidung.

Ganz besonders adrett präsentierten sich die Damen des Biedermeiers der „Kleidertruhe“ in ihren Reifröcken und den hübschen Hüten und erklärten gerne, wie es sich denn so anfühlt, Korsett zu tragen und was man denn zu historischer Damenkleidung wissen muss. Meister Putz erklärte uns, er hätte jetzt endlich seinen Durchbruch in Sachen Helmen aus einem Stück geschafft und hatte natürlich auch wieder seine Sammlung an Miniatur-Rüstungen dabei, die in der Sonne blitzten.

Natürlich waren auch hochqualitative Händler dabei, wo wir das eine oder andere erstehen konnten
Sirko Galz, Handweber aus Leidenschaft, begeisterte uns mit seinen fantastischen pflanzengefärbten und handgewebten Stoffen in historischer Webbreite – und zog uns förmlich mit seinem Charme das Geld aus der Tasche…

Abends gab es dann allgemeines gemütliches Beisammensein am Lagerfeuer, aber müde vom aufregenden Tag konnten sich nur wenige lange wachhalten.

Am nächsten Morgen frühstückten wir leckeren Hirsemilchbrei und dann gings auch schon wieder los mit dem Handwerken. Es ist schon erstaunlich, wie entspannend ein Wochenende voll Arbeit eigentlich sein kann. Firiel im Römerlager färbte im Akkord 25 m Krapprote Wolle und meine Kiepe für Niko wurde endlich fertig, die ich ihm ja noch für das tolle Messer schuldete. Niko zauberte ein paar traumhafte himmelblaue Gürtel (siehe Färbeexperiment von Firiel – Anmerkung von Firiel: die Fotos muss Niko dann mit seinem Bericht noch online stellen 😉 *malseeeeehrvorwurfsvollzumNikorüberschiel* :-p).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass wir uns mehr Besucher gewünscht hätten für diese wirklich einmalige und großartige Veranstaltung. Aber das sind vermutlich Probleme, mit dem sich jedes neue Fest herumschlagen muss. Wir hoffen, dass sich die tolle Qualität der anwesenden Darstellungen und das schöne Ambiente des Harterger Schlossparks herumspricht und eine Wiederholung im nächsten Jahr bei einem größeren Publikum Anklang findet.

FOTOS GIBTS HIER!

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4 Kommentare auf "Hartberger Zeitreise – Die Reise ist vorbei"

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Bitte um Korrektur. Es sind Schienenpanzer, keine Lamellenpanzer.

Danke.

erledigt 🙂

Danke für den charmanten Bericht .. beschreibt so wunderbar wie das WE sich anfühlte, daß ich gleich wieder zurück möchte!

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