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Die Badestube “Zu den Rörn”

Die Badestube “Zu den Röhren” ist heute nicht mehr als solche zu erahnen, weder ein Schild des Denkmalamts noch der Name eines Lokals würden darauf hinweisen. Situiert im Bereich der heutigen Kleeblattgasse 5-7 sowie Kurrentgasse 8 befindet sich die ehemalige Judenbadestube nahe dem Schulhof (seit 1437 Judenplatz) und dem im Verlauf des Mittelalters darum entstandenen jüdischen Stadtteils.

1330 herum kam das Gebäude wohl in Besitz des Deutschen Ordens, um die achtziger Jahre des 14. Jahrhunderts kam es in jüdischen Besitz und als vermutlich rituelles Bad eingerichtet. 1398 wird Hanko der Unterkäuffel sowie sein Vetter Jakob der Ungar als Besitzer genannt; im September 1398 jedoch muss ersterer seinen halben Teil und alle Rechte an der Badestube für 300 Pfund Wiener Pfennige an Lesyrn von Perchtoltsdorff, Jude und Haydgimmen, sowie dessem Sohn, Badeinhaber und Amtsschreiber (Verweser) der Wiener Judenzeche verpfänden.

In einer lateinischen Urkunde als “aestuarium” erwähnt, deutet alles daraufhin,dass es sich bei der Badestube um ein Heizgewölbe handelte, dem die Hitze mittels Röhren zugeführt wurde. Ob es sich bereits um ein rituelles Bad handelt ist nicht eindeutig nachweisbar, eine hebräische Textquelle des 16. Jh. spricht jedoch in diesem Zusammenhang von großen hölzernen Röhren zum rituellen Baden, was wiederum potentiell auf diese Nutzung im Mittelalter hinweisen könnte.

Eine andere Theorie geht davon aus, dass in dieser Badestube, im Unterschied zu den üblichen Badehäusern, statt Holzröhren Bleiröhren zum Einsatz kamen.

Nach der Geserah von 1421 und der damit verbundenen Vertreibung der Juden aus Wien stand die Badestube einige Jahre leer, ehe sie 1431 in Besitz des Baders Konrad von Miltenberg kam und über Generationen in der Familie verblieb.

 

Belege in Primärquellen

2. Februar 1335 – Die Kartause Mauerbach erhält das Gebäude sowie Patronat über die Kapelle des Hl. Nikolaus, unweit der Badestube “zu den Röhren” [Repertorium XIV/4 Bd. 2 fol. 47 Nr. 239]

30. März 1339 – Streit zwischen Frau Anna, Ulrichs Gattin, und dem Deutschen Haus zu Wien wegen 10 Pfund Wiener Pfennige Purgrecht, welche auf der Badestube liegen, welcher damit gelöst wird, das das Deutschen Herren alle Ansprüche durch Erlegung von 36 Pfund Pfennige von Frau Anna abkauft. [Udo ARNOLD/Marian TUMLER, Die Urkunden des Deutschordenszentralarchivs in Wien. Regesten I-III (=Quellen und Studien zurGeschichte des Deutschen Ordens 60/I-III, Marburg 2006- 2009) Nr. 1692]

11. Juni 1435 – Erwähnung der Badestube als Nachbargebäude [Quellen zur Geschichte der Stadt Wien, Bd. II/2, Nr. 3087]

4. September 1465 –  Erwähnung der Badestube als Nachbargebäude [Quellen zur Geschichte der Stadt Wien, Bd. II/3, Nr.4110)

 

Quellen:

siehe Quellen

Schwarz, Ignaz: “Das Wiener Ghetto: seine Häuser und seine Bewohner“, Wilhelm Braumüller, Wien 1909

Kraus, Samuel:Die Wiener Geserah 1421; Wilhelm Braumüller, Wien 1920

 

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