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Die Geschichte des Strickens

Wann wurde eigentlich das Stricken erfunden?
Glaubt man diversen Museen, so konnten bereits die antiken Menschen stricken! Wer jedoch Nadelbinden kann und den koptischen Stich kennt, schüttelt dabei sehr rasch den Kopf. Und auch neuere Untersuchungen an Textilien aus der Zeit , welche bisher als „gestrickt“ galten, werden bei genauerem Hinsehen als Nadelgebunden erkannt.

Woran liegt das? Die Technik des Nadelbindens war in den letzten Jahrzehnten stark in Vergessenheit geraten, und der koptische Stich ist für einen Laien bzw. einen der Nadelbindetechnik Unkundigen nicht von einem Strickstich zu unterscheiden optisch – solange er nicht am Arbeitsfaden zieht! Denn spätestens dann wird klar um welche Technik es sich handelt 😉
Erst vor kurzem entdeckten die Wissenschaftler die Technik des Nadelbindens als neue technische Option bei der Deutung textiler Gewebe und fangen nun zunehmend an, auch ältere Textilien dahingehend neu zu untersuchen – und das Ergebnis ist unserem Wissenstand nach ausnahmslos negativ für das Stricken vor dem Hochmittelalter!
Unseren Recherchen nach kamen wir auf folgende geschichtliche Entwicklung für das Stricken:

Als Entstehungsort des Strickens vermutet die Wissenschaft den Nahen Osten im frühen Hochmittelalter. Im Verlauf des 13./14. Jahrhunderts dürfte die Technik dann über die Seidenstraße, Italien und/oder den Kulturaustausch in den musulmanischen Teilen Spaniens nach Europa gebracht worden sein..
Im Unterschied zum Nadelbinden wird beim Stricken mit einem Endlosfaden gearbeitet. Zudem kann man die beiden Techniken durch ein Anziehen am Arbeitsfaden differenzieren: Während Strickwaren sich auftrennen, bildet Nadelgebundenes einen unlösbaren Knoten.
Rundstricken lässt sich für den mitteleuropäischen Raum ab Mitte des 14. Jahrhunderts bildlich nachweisen. Meist handelt es sich hierbei um Abbildungen einer „strickenden Madonna“.
Allerdings existieren aus Ägypten (oder Indien?) bereits mit zwei Nadeln gestrickte Fragmente aus dem 12. Jahrhundert. Die Funde der figural bzw. ornamental gemusterten Baumwoll-Socken sowie Kissenfunde aus Las Huelgas/Burgas des 13. Jh. sprechen hierbei von einer unverkennbaren Meisterschaft der arabischen Textilhandwerker auf diesem Gebiet.
Um die Zeit nehmen auch die gestrickten Handschuhe im pontifikalen Bereich zu. Bereits vom 9. Jh. an waren „gestrickte“ (bis ins 13. Jh. eher nadelgebundene, wie auch spätere Neuinterpretationen einzelner Funde vermuten lassen) fünf-fingrige Handschuhe für liturgische Abläufe die Regel. Als Material diente hier meist Leinen oder Seide und die Handschuhe waren zusätzlich reich bestickt.
Da die Erfahrung einem schnell deutlich macht, wieviel Zeit für die Herstellung eines Paares nadelgebundener Socken benötigt wird, erst Recht wenn diese im Tarim-Stich ausgeführt werden, ist es nicht weiters verwunderlich, dass sich das Stricken als neue Technik rasch in West- und Zentraleuropa verbreitete und schon bald auch Bestandteil der guten Erziehung von Mädchen wurde. So weiß man, dass in Paris bereits 1268 das Stricken als Handwerk betrieben worden war, im 14. Jahrhundert gibt es Belege einer Zunftbildung vor. Ab spätestens dem 15./16. Jahrhunderts kann man durch die wachsende Anzahl von gestrickten Funden als auch Zunftbelegen sowie Quellenbelegen von einer quer durch ganz Europa verbreiteten Technik ausgehen, welche es ermöglicht, ein für die Gesamtbevölkerung erschwingliches Produkt herzustellen.


Bildquellen zum Stricken

Quellen:

Museum Düppel-Nadelbinde-Lexikon
Turnau Irena: „The Diffusion of Knitting in Medieval Europe.“ In: Cloth & Clothing in medieval Europe. Heinemann Educational Books, London 1983
Norwick, Braham (1980): The origins of knitted fabrics. In: The Bulletin of the Needle and Bobbin Club, Vol. 63:1 and 2 (1980) (Vol. 36: 1 & 2), S. 36–50.
Vergleich diverser Funde Nadelgebunden / Gestrickt

 

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