Unsere Seite funktioniert leider erst ab einer Auflösung von 1024x768 Pixel.

Zur mobilen Version wechseln

English Version

Ein Suckl für den Winter

Weil wir im März ein kleines privates Wochenende für die IG14 auf der Bachritterburg Kanzach veranstalten, musste ich dringend meine Ausrüstung überdenken, die bis jetzt noch nicht großartig für kalte Tage ausgestattet war.

Was schon lange benötigt wurde, ist ein schlichtes Überkleid ohne viel Schnickschnack, das als Lage über meinem Rock dienen soll. Langärmelig und möglichst bequem und bitte billig, weil ich das so gut wie nie tragen werde.

Mir fiel beim Stoffdiscounter ein toller breit gestreifter Wollstoff in die Hände in einem anthrazit/naturgrauen Schussfaden auf verschiedenfarbigen Kettfäden, die die Streifen bilden.

DSCN9075

Dicke Streifen wie diese kann man in vielen Quellen beobachten, allen voran natürlich der Manesse, aber zeitlich passender zB auch im Sachsenspiegel oder im Speculum humanae salvationis oder der Historia Troiana oder in diversen französischen Handschriften, dem Alexanderroman beispielsweise oder auch aus dem italienischen Raum. Kurzum, jeder hat das, also brauch ich das auch!

Funde von gestreiftem Stoff gibt es zB aus London, Altenberg oder dieses Prachtstück hier.

Vom Schnitt her habe ich mich an Vorlagen aus Herjolfsnes gehalten und die vordere Gere einfach weggelassen, um Arbeit und Stoff zu sparen. Es hat relativ enge Ärmel, ansonsten ein recht loser, weiter Sitz, wie man ihn zB hier (Speculum humanae salvationis, um 1340-50, ÖNB) oder hier und hier und hier (Speculum humanae salvationis, Badische Landesbibliothek Mitte 14tes) sehen kann. Damit es bequem is und wegen dem isolierenden Luftpolster. Genäht ist alles mit naturweißem Wollfaden. Auf das Muster habe ich bei Möglichkeit geachtet, ganz gelang es nicht, kenne es aber von einigen Funden, dass die Einhaltung der Musterung beim Zuschnitt keine Rolle spielt.

DSCN9063

Ich hatte überlegt, noch Taschenschlitze einzubauen, wie man sie auf ganz vielen Abbildungen sehen kann, mich dann aber dagegen entschieden, da der Stoff zu locker gewebt ist und man für die Schlitze sehr nah am Rand des Stoffes arbeiten können müsste. Vielleicht mach ich das nachträglich noch einmal.

DSCN9062 DSCN9065 DSCN9069

Alles in allem ein sehr konservativer Look, der schon fast nach erste Hälfte des 14ten aussieht, da aber auch der Rest meiner Kleidung relativ konservativ ist, finde ich das ok, zudem kommt dieser simple Look im Späten 14ten wieder, zB im Tacuinum sanitatis.

Mehr zur Suknei

Winter im Mittelalter

 

 

 

(btw ja, meine Schulter-Nahtversäuberungen sind ein Disaster)

Verwandte Beiträge

Die folgenden Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:

Winter im Mittelalter

Weil unlängst wieder an diversen Orten über dieses Thema gesprochen wurde, hab ich mich mal eine Sammlung, die ich schon länger betreibe mit Bezeichnungen versehen und und ein paar Sachen zusammengestellt zur Inspiration, zum Amüsement oder sonstigen Verwendungszwecken. Wird laufend erweitert!

Rekonstruktion einer Frauengugel (um 1350-60)

Ein weiterer Eintrag in unserer Rubrik Anleitungen, heute machen wir eine Damengugel, wie es sie hier in Österreich ab Mitte des 14. Jhdt gab. Ihr kennt ja vielleicht bereits das Modell von Firiel. Eine genauere Besprechung zur Gugel findet ihr auf unserer Kopfbedeckungs-Seite. Den frühesten Bild- Nachweis in Österreich kennen wir aus dem Codex 1203 […]

Fäustlinge

Wie ich schon erwähnte, erweitere ich gerade meine Winterausstattung. Was ich schon lange wollte, war ein Paar Fäustlinge, die warm halten, aber auch ein bisschen die Feuchtigkeit draußen halten. Funde von Fäustlingen gibt es ja so einige: – Skandinavien um 1300 – Schweden im Spätmittelalter – Und noch mal Schweden – Und noch mal, 14tes […]