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Textquellen zu dekorativer Kosmetik im Hoch- und Spätmittelalter

Dekorative Kosmetik war auch hierzulande ein Thema und besonders Moralprediger und Dichter lassen sich – zumeist in negativer Weise über die Sitte aus, sich zu schminken und schön zu machen. Eine Ergänzung zu meinem Beitrag zu Spätmittelalterlicher Kosmetik und Schönheitsroutine.

So schreibt zB Heinrich von Melk ( gest. vermutlich 1163): „Unt mit vrömder varwe an dem wange unt mit gelwem gebinde wellent sich die gebiurinne an allem ende“ (und sagt uns damit also, dass auch Bäuerinnen schnell die Schönheitsmittelchen der städtischen Bürgerinnen aufnahmen).

Auch unser alter Freund Heinrich der Teichner (1310-1378) hat dazu eine Meinung: „Und waz dieser poshait ist, anstreichen […]“ und „ich weis ain volkch, die dünkt sich schein, das sy über got welent sein, mit maisterschaft mit kluegem synn, damit mein ich die anstreicherinn, die sich schoner machen vellen, dann sich got selber chan gesteln, diea ller schon hat gewalt, der hat sich nach im gestalt. und wollent sich dannoch schoner machen, sy sint ewichlich die swachen. got spricht am jungsten tag ‚die leut ich nicht erchennen mag“ und „si solt es darumb lassen sein das yr liecht wängelein wirt in iungen iaren allt, runczenfar und ungestalt. […] Sie schaut sich von gotz genaden und wirt alt e rechter zeit und gespot auf ir leit daz man vinger zaigunt gat: secht wie sich die gesmirbet hat!“

Berthold von Regensburg (1210-1272) sagt darüber „Unde die da geheizen sint uzsetzic an dem velle, daz ist aller uzsetzikeite wirstiu, die die welt ie gewan! Daz sind die geverweten und die gemalten. Sich verwent manige unde veschent daz antlütze unsers herren, daz er selbe nach im gebildet hat [..] ir verwerinne, pfi! […]

und

„Der heizent ein die gemalten unde die geverweten. Daz sint alle die boesen hiute, die uf dem graben gent, die dem tiuvel alle tage manic tusent sele antwurtent, ie diu sele umb einen helbelic oder einen pfenninc.“

und

„So sint eteliche uzsetzic an dem velle. Daz sind, die niht genüeget an der varwe und an dem antlütze, daz in der almehtige got hat verlihen: sie wellen sich selben baz machen und schoener, danne sie got gemachet hat, und nement her und verwent sich und veschent die varwe und daz antlütze daz got selbe machete. pfi, unflat!“

 

Und Seifried Helbling (1230-1290) schreibt im 12. Jahrhundert „doch bezzert sie hals unde kel: kecsilber, gaffer, weizmel, mit altem smerwe streich sie an. vilzel unde groman, oben ir wenglin note, von geribener rote“

 

Auch erzählt Heinrich von Langenstein (1325-1397): “ das s sich geturren an genomen das besunder got allein an gehort welcher weis als die menschen tun die fremder lawt hare auf setzen oder die ir antlutz mit unnatürlicher farbe besttreichent, wann har machen und das antlütz farb gaben das gehort got allein an und welch frawen oder man das thun die wollen sich mit lutzifer dem almechtigen got gleichen“ und „alle angestrichen antlitze die gedeihen in die hefen. das tut auch einen guten werkmeister gar zoren obe in lerknecht an einem volkomen und wol vol prachten werk etwas mit frevel und mit mutwillen pessern wolt. also betribet den allmechtigen got ein mensch gar swerlichen das gern das antlütz hat das im ein maler mast für den anplik den im der allmechtige got gemacht hat.“

 

Eine Handschrift der Züricher Stadtbibliothek (C76/290, Bl. 8b, 14. Jahrhundert) erzählt „Hübische frowen spulgent sich zeverwene. Mit wizer varwe unde mit rotir varwe.“ 

 

Von sich schminkenden Männern erzählt der Prediger Johan Geiler (1445-1510): „Item – sie lassen sich – bizuweilen malen – nemmen koestlichen geruch zu jhn, bestreichen sich mit roszwasser, salben sich mit koestlichem und wolschmeckendem balsam.“

und

„Welcher gestalt vor zeiten ein weibs person zu straszburg gewesen ist, die hat von wegen alters, viel runtzeln im angesicht, dieselbig liesz von jhrem runtzelechten angesicht die haut daruon schinden und hinweg etzen, damit sie der runtzeln ab kaeme und sie jungfarb und schoen erschenete, aber was geschahe je me sie sich liesz artznen und aufzbutzen, je heszlicher sie von tag zu tag ward.“

 

Aus: 

Gesundheitspflege im Mittelalter; kulturgeschichtliche Studien nach Predigten des 13., 14., und 15. Jahrhunderts, Kotelmann Ludwig Wilhelm Johannes, 1890

Die österreichische Mode im 14. Jahrhundert nach den Gedichten Heinrich des Teichners, Dissertation von August Otto, Univ. Wien, 1935