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Schleier zuschneiden – ein paar Ansätze

Im 14. Jahrhundert in Wien gibt es vermutlich so viele Varianten, Schleier zuzuschneiden, anzustecken und zu tragen, wie es Frauen gibt. Hier geht es um Überlegungen zum Zuschnitt von klassischen Schleiern.

Bewusst vermeide ich heute das Thema Kruseler, Gebende, Kopftuch und Wimpel, das wäre einfach zu viel, dazu mehr in anderen Beiträgen.

Unter all den folgenden Modellen kann (sollte eher) außerdem ein Gebende und/oder eine Rise getragen werden. ersteres besteht aus 2 Stoffstreifen um Kinn und Stirn, zweiteres aus einem langen, schmalen Rechteck, das um Hals, Ausschnitt und Nacken drappiert wird.

Ich hab hier mal keine Schnittmuster mit eingebunden. Ich nehme an, ihr wisst alle, wie die unten beschriebenen geometrischen Formen aussehen.

 

A) Der gerade zugeschnittene Schleier

Dieses Modell hat unsere Christina am Liebsten, er ist ein Standardmodell, das während langer Jahrhunderte so getragen wird. Durch die strenge Linienführung um das Gesicht herum wirkt er sehr streng, macht aber ein schönes, keusches Gesicht :-)

Gebetbuch-Königin-Elisabeth-Wien-Minoritenkloster-fol-11v-1315-20-Darbringung-Jesu-im-Tempel

Gebetbuch der Königin Elisabeth, Wien, Minoritenkloster, fol-11v, 1315-1320-Darbringung-Jesu-im-Tempel

Im Grunde besteht er nur aus einem Rechteck oder Quadrat, das dann über den Schläfen leicht gefaltet wird.

 

B) Der runde oder ovale Schleier

Dieses Modell ist eine verspieltere Variante, die das Gesicht in leichten Wellen umrahmt. Ich persönlich bevorzuge den ovalen Schleier.

Der Zuschnitt ist entweder kreisrund (dann kringelt er sich mehr ums gesicht herum) oder oval und man legt dann die flachere Seite über die Stirn, dann ist es weniger onduliert um das Gesicht, hat auf den Schultern aber immer noch den erwünschten historischen Fall.

 

C) Der Halbrunde Schleier

Eine Spezialität des Schleierzuschnitts lässt sich auf vielen zeitgenössischen Abbildungen unserer Darstellungs-Zeit erahnen (zB Biblia Pauperum und Concordantiae caritatis). Es zeigt sich, dass viele Schleier auf der Schulter mit einer Art „Ecke“ aufliegen, um das Gesicht herum allerdings die Wellenformung eines runden Schleiers aufweisen.

Diese spezielle Form lässt sichmit einem halbrunden Schleier erklären, bei dem die Gerade auf der Schulter aufliegt. Möglicherweise hat man es dabei auch um einen exakt mittig gefalteten Schleier des Modell B zu tun.

Demnächst folgen hier außerdem Tragebilder und Erläuterungen zum Anbringen eines Schleiers. Auch Beiträge zu anderen Kopfbedeckungen in der Praxis (Wimpel, Kopftuch, Gebende, Kruseler) sind geplant

(c) alle Bilder: Institut für Realienkunde des Mittelalters der Universität Salzburg in Krems an der Donau (http://tethys.imareal.sbg.ac.at/realonline/)