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Ein Butterfass

Belebungen sind immer so eine Sache. Ihr eigentlicher Sinn ist ja, historisches Alltagsleben möglichst ungestört zu zeigen und für den Belebungs-Puristen sollte es bitteschön möglichst wenig Schauhandwerk, Schautisch oder verbaler Vortrag sein. Dafür braucht man aber auch eine Menge Werkzeug und Alltagsgegenstände, die man oft in den Freilichtmuseen nicht findet.

Ein so ein Ding ist das Butterfass.

Schon länger träumen wir davon, so eins zu besitzen und benutzen zu können. Nur waren uns die erhältlichen entweder zu kostspielig (sorry, so schön und edel es auch sein mag, aber ich hab keine 400 EUR für ein Butterfass) oder hatten zu miese Qualität.

Schließlich haben wir auf Etsy dieses Schmuckstück hier entdeckt.

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Und es sieht nicht nur gut aus, es ist auch dicht, gut gemacht und Weidengebunden. Mehr kann ich echt nicht mehr verlangen. Dafür nahmen wir gerne die 1-monatige Lieferzeit aus der Ukraine und ein paar „Glaubst, das kommt überhaupt noch?“-Momente in Kauf.

Achso, ich geb ja immer auch die Belegslage dazu an.
Da haben wir lokal leider nur dieses Bild hier aus dem späten 14ten, Castello Buonconsiglio, Südtirol.
Abgeglichen mit früheren und späteren Modellen aus verschiedenen Regionen Europas dachte ich mir aber, man kann mit diesem hier echt nicht so viel falsch machen.

 

 

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Am letzten Wochenende konnten wir dann ausprobieren, ob es auch etwas taugt.

Wir haben also ca 1 l Sahne eingefüllt (2 l waren angegeben als Limit, aber das wär schon sehr patzig geworden). Und dann gings los, ca 15 Minuten stampfen. Das ist nicht so einfach, wies hier aussieht. (Mann, wenn mich die Leute nur nicht dauernd von meiner absoluten Anti-Schoko-Seite fotografiern und filmen würden…)

 

 

 

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Dann spürt man schon, wie sich unten auf dem Boden langsam Klumpen bilden. Die herumschwimmende Butter wird zusammengepresst auf dem Boden des Fasses und wenn man nacher die Molke abgießt, kann man sie ganz einfach und bequem heraus nehmen. Das Fass ist dann auch weit nicht so eingesaut mit Sahne, wie man gefürchtet hat.

 

 

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Hier sieht man schön die Butter am Grund des Fasses.

 

 

 

 

 

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Noch ein bisschen in klarem Wasser waschen und kneten, um die letzte Molke heraus zu holen…

 

 

 

 

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Tadaaaa! Unsre erste selbstgemachte Butter!! Erst mal im Kugelform, weil wir nicht wussten, wie man es wohl damals gehalten hat mit dem Formen. Ein Besucher meinte ja mal zu uns, es hätte keine Butter gegeben im Mittelalter, weil es noch keine Modeln gab…. Diesem sei hiermit gezeigt, wies geht.

 

 

 

 

 

 

Hier noch mehr Ideen zum Buttermachen

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