… gegens Stinken & Schweiß: Wäsche waschen im Spätmittelalter

Heute möchten wir euch ein wenig die Thematik des „Wäsche waschens“ im 14.-15. Jh. näherbringen, wobei zu erwähnen ist, dass sich das Wäsche waschen bis ins 20. Jh. hinein nur minimal vom mittelalterlichen Vorgang unterschied.

Mottenkontrolle und Lüften

Zur groben Säuberung wurde Bettwäsche, Tücher und Kleidung regelmäßig ausgelüftet und ausgeschüttelt, um einen Mottenbefall und modrigen Geruch zu vermeiden. Im Menagier de Paris wird sogar genauestens erkannt, dass Motten sich gerne in Dunkelheit und leicht feuchter Wäsche ausbreiten und der Autor warnt davor, Kleider klamm zu falten und in den Schrank zu legen. Zur Beseitigung von Staub wurden die Textilien aufgehängt und mit trockenen Ruten dagegen geschlagen. (vgl. Le Menagier de Paris, p. 140)

Und Lawrence Andrewe sagt über Motten „The Motte breeds among clothes until they have bitten it into pieces and it is a maniable worm, and yet it hides itse lf in the cloth so that it can scantly be seen and it breeds gladly in clothes that have been in an evil air, or in a rain or m ist, and so laid up without hanging in the sun or other sweet air after'“

 

Rezepte zur Beseitigung von Flecken

Interessant sind im Liber Illuministarum des Kloster Tegernsees (um 1500) die „Hausrezepte“ zum Beseitigen von schwierigen Flecken:

    • Um [frische] Öl und Pech- bzw. Harzflecken aus der Kleidung zu bringen, soll ein roher Eidotter auf dem Fleck zerschlagen und gut eingeschlagen werden, bis er den Stoff durchdringt. Anschließend soll das Stoffstück an die Sonne gelegt werden, bis der Dotter ganz hart ist. Das Ausspülen erfolgt schließlich mit warmem Wasser oder Laugenmischung. [vgl. 319, selbiges Rezept findet sich auch im Nürnberger Kunstbuch]
    • Um Flecken aus Kleidern jeder Farbe zu bekommen, sollen Erbsen [enthalten Saponine, d.h. eine emulgierende und grenzflächenaktive Wirkung] solange gekocht werden, bis sie sich abschälen. In dem Kochwasser wird anschließend das verschmutzte Kleidungsstück gewaschen, bis der Fleck verschwunden ist. Dieses Rezept soll die Farbtreuheit der Kleidung erhalten. [vgl. 318, selbiges Rezept findet sich auch im Nürnberger Kunstbuch]
    • Ein Wasser zur Entfernung von Flecken: Ein Pfund ungelöschter Kalk, ein halbes Pfund Waidasche, acht Lot gebrannter Weinstein,  und ein Lot Schwefel werden pulverisiert und mit kochendem Wasser aufgegossen. Die Lösung wird durch einen Filz abgeseiht und abgekühlt. Mit einem handbreiten Wollstoffstück kann die Flüssigkeit nachher auf dem Fleck aufgebracht werden. [vgl. 892, 635]
    • Unschlitt soll mit heißem Wasser entfernt werden [vgl. 735 a]
    • Kleine Fettflecken werden mit Spucke verrieben. [vgl. 735 b]
    • Öl wird mit einem Lehm-Wassergemisch bestrichen und wenn dieser Brei getrocknet ist, mit heißem Wasser ausgewaschen. [vgl. 735 c]
    • Wachs wird mit einem heißen, überdeckten Stein herausgezogen [vgl. Bügeleisen!, vgl. 735 d], Pech wird in einer Lauge ausgewaschen.
    • andere Flecken werden mit einem Brei aus feinem Mehl und Spucke oder mit warmem Brot eingerieben. [vgl. 735 e]
    • Drei Ochsengallen, ungebrannten Alaun, geriebenen Weinstein miteinander verkocht soll beim Auswaschen Flecken aus der Kleidung beseitigen. [vgl. 659]
    • (Rot)Wein soll mit Milch oder Bohnensaft ausgewaschen werden. Tinte soll durch (Weiß)Wein entfernbar sein, der Rest mit Wasser. [vgl. 94]

Im „Le menagier de Paris“ (1392-1394, p. 140-141), einem Art Handbuch über Haushaltsführung für eine junge Ehefrau, heißt es weiters:

    • Für Öl- und Fettflecken soll Wein (Weißwein?) erwärmt werden und der Fleck darin zwei Tage lang eingetaucht bleiben. Danach wird die Textilie ausgedrückt (jedoch nicht zu hart), und sollte der Fleck noch immer sichtbar sein, so soll mehr Wein bereitet und mit Ochsengalle vermischt werden.

Aber auch für andere Problemflecken weiß der Autor Rat:

    • Bleicherde wird mit Lauge zu einem Brei vermengt und dieser auf den Fleck aufgetragen. Nach dem Trocknen wird der Brei abgerieben. Sollte die Erde nicht so leicht abbröseln, kann sie mit Lauge befeuchtet und nochmals getrocknet werden, bis sich die Erde vollständig abgelöst hat. [selbiges Rezept wird mit Ton statt Bleicherde im Nürnberger Kunstbuch für Flecken von Wagenschmiere erwähnt]
    • Sollte keine Blecherde verfügbar sein, soll Asche in Lauge eingeweicht werden, und diese auf den Fleck aufgetragen werden.
    • Auch soll durch das Abreiben von Kleidung mit einem in saubere, klare Lauge getauchtem Schwamm die Leuchtkraft von blauer Kleidung zurückbringen.
    • Andersfarbige Textilien sollen durch das Aufbringen einer noch unbenützten Lauge gemischt mit Asche und Trocknen, sowie anschließendem Abreiben, wieder ihre ursprüngliche Farbe zurückgewinnen.
    • Das Waschen in Verjus soll Flecken aus Seide, Satin, Damast, oder anderen feinen Stoffen, beseitigen. Angeblich (was der Autor selbst jedoch bezweifelt) soll dadurch auch die Leuchtkraft der Farbe zurückkehren. (Anm Rotschopf: Heute noch wäscht man Frauen-Haare, die glatt, seidig und strahlend werden sollen mit Essigwasser oder Zitronenlösung. Die Säure bewirkt, dass sich mikroskopisch kleine Schüppchen auf den Haaren niederlegen und somit das Licht besser reflektieren/glatter werden. Diese Behauptung ist also durchaus bei organischen Fasern nachvollziehbar)
    • Sehr saubere Hühnerfedern sollen in sehr heißem Wasser gekocht werden, bis das Fett in den Federn im Wasser aufgelöst wurde. Danach werden sie nochmals in sauberem, sehr heißem Wasser abgespült. Durch Reiben soll der Fleck verschwinden.

Weitere Rezepte um die Farbe der Kleidung zu erhalten/wiederzugewinnen finden sich im Nürnberger Kunstbuch (2.H. 15. Jh.):

    • Um die Farbe auf verschmutztem Seiden, Samt oder Goldtuch wiederzugewinnen, wasche man den Fleck mit frischem Bachwasser aus und hänge das Kleidungsstück anschließend an der Luft zum Trocknen auf, ohne dass die Sonne darauf scheint. 
    • Um Seide schneller zu trocknen, lässt man den heißen Dunst von frisch gebackenem Brot auf den Stoff einwirken. Selbige Prozedur lässt sich auch mit 1-2 mit Wasser besprenkelten heißen Steinen umsetzen.
    • Grüne Farbe  auf Seide oder Wolle, sowie brauner Wolle, kann man mit einer Lauge aus Asche von Weinreben zurückerlangen. Der Fleck wird damit gewaschen und anschließend an einem schattigen Ort aufgehängt.
    • Grünen Samet (Samt oder Samit?), der mit Wein oder Urin beschmutzt ist, wird gesäubert, indem pulverisierter ungelöschter Kalk einem halben Tag lang mit faulem Wasser (vielleicht Urin-Gemisch?) steht, ehe die Flüssigkeit auf den Stoff gespritzt wird und das ganze an einem schattigen Ort getrocknet wird.
    • Grüne Kleidung, welche mit Weinflecken verschmutzt ist, kann aus einer Mischung aus Waidasche mit faulem Wasser gesäubert werden.
    • Rote, rosa und braune Kleidung mit Wein- oder Urinflecken werden folgendermaßen behandelt: Gebrannter Kalk wird mit faulem Wasser aufgegossen und 2 Stunden stehen gelassen, danach wird umgerührt. Nach dreimaliger Wiederholung der Prozedur wird das ganze einen halben Tag lang stehen gelassen, danach der Fleck mit der Lösung bespritzt. Ein Hinzufügen von Kalk verstärkt die Lösung. Im Schatten trocknen lassen.
    • Grünes Gewand mit Wein oder Urinflecken kann auch durch eine Lauge aus Buchenasche gesäubert werden.
    • Tinte muss als frischer Fleck sofort mit Wein ausgewaschen werden. Ist der Fleck erst eingetrocknet so ist er nicht mehr entfernbar. Alternativ geht auch eine starke Laugenlösung.

 

Ausgeblichene Farbe und Bleichflecken ausgleichen:

Dazu bitten wir zu diesem Artikel auf dem Blog unseres Kollegen Nikolaus

 

Seife

Österreich, auch Wien, wurde ab dem 13. Jh. zu einem wichtigen mitteleuropäischen Handelsplatz für v.a. venetianische Seifen, welche von Apothekern und Krämern mit einer relativ hohen Gewinnspanne weiterverkauft werden konnten.

Seife war in ihrer ursprünglichsten Form eine Schmierseife auf Talgbasis, und wurde mit Verlauf des 13./14. Jh. für den (körperlichen) Gebrauch zunehmend von der festen Form auf Pflanzenölbasis abgelöst, welche in Europa seit dem 12. Jh. erst in Spanien (Aragon, Kastillien, Malaga, Cartagena) von den Musulmanen („Heidenseife“, weiße „kastilische“ Seife – Olivenöl, Asche von Meerespflanzen), zunehmend dann aber auch in Italien („venezianische Seife“ und Neapel, Savonien, Genua, Bologna) hergestellt wurde, ehe im 15. Jh. zudem Marseille in Frankreich als weiteres Seifenherstellungszentrum Bedeutung erlangte. Aufgrund der Rohstoffe kamen jedoch die besten, olivenölhaltigen Seife aus den südlichen Ländern, während die nördlicheren (Frankreich, England) eher „billige“ Seife auf Talgbasis bzw. Fischöl weiter herstellte.

Aus der Zeit um 1500 findet sich in den Rezeptbeschreibungen für diese Seifenart auch eine Unterscheidung zwischen venezianischer und sarazenischer Seife, wobei zweitere sich von ersterer durch eine Grünfärbung (Grünspan lt. Rezept) unterscheidet. Hierbei handelte es sich allerdings primär um Seife zum Waschen des Körpers.

Für das Wäschewaschen wurde vorwiegend eine Kernseife aus Talg, Pottasche (Kaliumcarbonat) und Soda (gebrannter Kalk, Calciumoxid – Calciumhydroxid) verwendet.

Ein Rezept aus 1389 verwendet zur Seifenherstellung stark alkalische Asche aus Hartholz (waydasche), ungelöschten Kalk, und hartes Wasser. Ferner benötigst man Alaun, Unschlittfett von einem Schafbock, Pottasche und ein wenig Olivenöl.

 

Das Waschen von Weißwäsche

Besonders das Waschen von Weißwäsche (Schleier, Bettlaken, Tischwäsche usw.) war zeitaufwendig, da neben dem Waschvorgang auch der Bleichvorgang einzuberechnen war.

Weiß-Wäsche wurde in der Regel in einem Holzbottich gewaschen. Aus Asche  wurde mit heißem Wasser eine Lauge hergestellt in welcher die Wäsche eingeweicht und gut durchgespült wurde. Zur Herstellung der Lauge gibt das Nürnberger Kunstbuch (2.H. 15. Jh.) bei der Erklärung zum Waschen des Untergewandes einen konkreteren Einblick: 3 Maß Asche wurden in einem großen offenen Kessel mit heißem Wasser übergossen. Anschließend wird der Kessel mit kaltem Wasser randvoll aufgegoßen und die Lauge muss so „stark“ werden. Anschließend soll das Gemisch durch ein Stück Stoff gesiebt werden und das Gewand in die Flüssigkeit eingetaucht und nach Erkalten darin ausgewaschen werden. Ansonsten liefe man Gefahr, dass der Stoff sich gelblich verfärbt. An Handgelenken, Ausschnitt und Schweiß-Stellen wird die Kleidung mit Seife gut eingerieben. Sollte die Lauge zu stark sein, kann mehr Wasser aufgegossen werden, oder die Asche nochmal neu mit Wasser angegossen und dann mit der ersten Lauge vermischt werden.

Alternativ konnte auch, wie bereits bei den Sumerern üblich, die Asche auch in Leinensäckchen getan und zwischen die Wäsche gelegt werden. Danach wurde alles mit heißem Wasser übergossen, welches ggf. immer wieder neu erhitzt wurde.

Auf einem Stein oder einer Bank/einem Waschtisch wurde anschließend mit einem rechteckigen, mit einem Griff versehenen, Wäschebleuel der Stoff geschlagen um hartnäckige Flecken zu beseitigen bzw. das Wasser überall hinzudrücken.

Die Wäschekörbe wurden anschließend zum Ausspülen an den Fluss getragen, vermutlich oberhalb der den Fluss verunreinigenden Betriebe,  wie z.B. Färber, Gerber u.ä., und die Lauge ausgespült.

Betrachtet man  historische Abbildungen so sticht besonders ein Aspekt der Wäscheprozedur sofort ins Auge: Das Bleichen des Leinens. Hierfür wurde das gewaschene Leinenzeug in feuchtem Zustand auf der Wiese ausgebreitet (bisweilen in meterlangen Stoffbahnen, wie uns die histor. Abbildungen zeigen) und die Sonne tat ihr übriges. Dazwischen wurde der Stoff immer wieder neu befeuchtet. Auch Schwefelrauch kam zum Bleichen von Schleiern zum Einsatz (vgl. Concordantiae Caritatis, cod. 151, fol. 224)

Zum Trocknen wurden die Stoffbahnen und Kleidungsstücke dann über Holzgestelle oder Seilkonstrukte gespannt, manchmal auch nur auf Büschen aufgehängt.

 

Stempelung von Wäsche

Der Menagier de Paris beschreibt in seinem Text die Stempelung von Wäsche mit einem Hauszeichen, vermutlich um sie bei der Wäsche durch Hausfremde Wäscher wieder zuordnen zu können.
„Eine Flüssigkeit, um dein Leinenzeug zu kennzeichnen: Nimm Wagenschmiere, gib Tinte hinzu, mische Öl und Essig hinein und koche alles zusammen. Dann erhitze den Stempel mit deinem Kennzeichen, tauche ihn in die Mischung und drücke ihn auf dein Linnen.“

 

Wäscheduft

Ob gegen Motten oder gegen schlechten Geruch, mehrere mittelalterliche Autoren beschreiben das Beduften von Wäsche durch Einlegen aromatischer Kräuter und Blumen.
„Will man Rosen in die Kleider legen, so eignen sich die aus Provins am besten“, schreibt hierzu der Menagier de Paris und Lawrence Andrewe schreibt im 15. Jahrhundert: „The herbs that are bitter and strongly smelling are good to lay among such clothes, as the bay leaves, cypress wood.“
John Gerard empfohl in seinem „Leechbook“ Ruhrkraut, Rosmarin, Beifuß, Cypressenholz und süßen Klee für Schränke und Truhen.

 

Quellen:

 

Zum Weiterlesen

 

Wäschebleuel aus Buchenholz, nach Abbildungen des 14. Jh. (z.B. Holkham-Bibel). Hergestellt von Niko H.

Wäschebleuel aus Buchenholz, Rekonstruktion nach Abbildungen des 14./15. Jh. (z.B. Holkham-Bibel) im Vergleich mit bäuerlichen Geräten der Neuzeit, hergestellt von Niko H.

Mehr zur Rekonstruktion des Wäschebleuels findet ihr hier.

 

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