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Neues aus dem mittelalterlichen Wien.

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Mein Beitrag zu dieser Challenge: https://www.facebook.com/IG14.JhWien/posts/3166588840125124 

Die 4 Challenge-Zutaten:

Huhn

Reis

Zucker

Birne

Ich wollte unbedingt zwei Varianten, die sich zwar in den Zutaten sehr ähnlich waren, sich aber letztlich in der Zubereitung stark unterschieden.

Moderne Version: Es gab Hühnergeschnetzeltes mit Reis und danach Birnenblechkuchen.

Geschnetzeltes ist ein typisch deutsch-österreichisches Gericht der Moderne und etwas, das so gut wie jeder schon am Tisch hatte.
Wichtig war mir dabei, Zwiebeln und Pilze als Geschmackszutat zu verwenden. Auch in Kombination mit Wurzelgemüse verwendet man Zwiebeln gern als sogenanntes „Mirepoix“ (angeröstetes, klein geschnittenes Würzgemüse) als geschmackliche Basis für unheimlich viele typische Speisen im deutschsprachigen Raum, zb auch bei Suppen und Braten. Das sieht man im Mittelalter eher selten bis gar nicht.
Auch wollte ich unbedingt eine Sauce auf Basis einer Einbrenn machen (Butter mit Mehl rösten und dann mit Flüssigkeit aufgiessen), weil das eine DER modernen Möglichkeiten ist, Saucen und Suppen anzudicken, während man im Mittelalter eher altes Brot oder Eidotter verwendet hat.

Der Reis wurde nur in Salzwasser gekocht und ist dann servierfertig, auch sehr typisch für unsere Zeit, auch dass es z.B. immer eine eher geschmacksneutrale Kohlehydratbeilage zu einer Fleisch lastigen Hauptspeise auf dem Teller gibt (und für die gesünder lebenden meist noch eine „Vitamin“-Beilage aus Gemüse), was den Essensgewohnheiten des Mittelalters eher weniger entspricht, wo entweder unterschiedliche Gerichte, die für sich allein stehen können am Tisch stehen zum Nehmen aus Schüsseln und Platten (wie mans heut zB noch im asiatischen Raum macht) oder wo ein Stück Braten mit einem Stück Brot und vielen Dip-Soßen verzehrt wird.

Bei den Süßspeisen wollte ich vor allem eine raffinierte Mehlspeise machen, denn auch so etwas gibt es im Mittelalter nur selten. Das liegt natürlich auch an der Verfügbarkeit der Lebensmittel wie Weißmehl und raffiniertem Zucker. Aber dass es z.B. mit fast gleichen Zutaten unterschiedlichste Kuchenmassen für unterschiedlichste Verwendungen in Kochlehrbüchern gibt, ist auch etwas sehr modernes. Und man setzt im Mittelalter eher auf Früchte, Konfekt, Eibasiertes und Gewürzbäckereien statt auf Kekse, Kuchen und Torten. Das Obst spielt im Blechkuchen eher eine Nebenrolle neben dem feinen, süßen Teig.
Ich entschied mich für eine sogenannte Gleichschwermasse, die sich super für Blechkuchen eignet, die danach einfach belegt werden. Das geht auch deswegen gut, weil wir mit modernen Öfen einfach Temperaturen steuern können, was mit solchen feinen Gebäcken wichtig ist, und große, flächige Kuchen backen können, während im Mittelalter mehr auf Pasteten/Pie-Artiges in flachen Schüsseln gesetzt wird und wo oft der Inhalt mehr zählt als der Teig. Auch charakteristisch dabei ist die Reihenfolge, in der Zutaten gemischt werden, die mir im Kochunterricht ins Blut übergegangen ist. Ei und Zucker zuerst, dann Butter und Ei einrühren, dann erst Mehl und Geschmackszutaten.

Mittelalterliche Version: Es gab Douce Ame mit Ris von Kriechen und danach Birnenmus.

 

Dabei habe ich mich recht genau an historische Rezepte aus dem „Buoch von guoter spise“ und dem „Forme of cury“ aus dem 14. Jahrhundert gehalten.

Ausgesucht habe ich das Douce ame vor allem, weil es mein Lieblingsgericht ist aus mittelalterlichen Kochbüchern, aber wir haben es auch mit einer recht typischen Speise zu tun. Das Huhn wird erst geröstet, dann noch einmal in Milch gekocht. Fleisch mehrmals zu garen war keine Seltenheit.
Gewürzt wird mit einer Vielzahl an Geschmackszutaten und Gewürzen, darunter sehr charakteristisch Safran für die goldene Farbe und Honig. Statt der Pinienkerne im Originalrezept habe ich Mandeln verwendet. Mandeln sind auch eine beliebte Zutat mittelalterlicher Küche. Der Eintopf wird am Ende recht süß bis süß-sauer, auch eine Besonderheit mittelalterlicher Speisen, dass Fleisch problemlos als süß gewürzte Speise durchgehen kann. Die Sauce besteht aus Milch mit Gewürzen und ist entsprechend eher wässriger als sämig. Nicht ungewöhnlich für diese Zeit.

Der Ris vom kriechen wird zuerst in Wasser gekocht, dann noch einmal in Schmalz gebraten (zweimal gegart) und anschließend sowohl gesalzen als auch gezuckert. Ein ungewöhnliches Geschmackserlebnis, das aber hervorragend zum süßen Douce Ame passt.

Als Nachspeise habe ich ein Mus aus Birnen, Wein und Schmalz gemacht (Süßigkeiten aus Obst habe ich oben ja schon als typisch erwähnt). Ein weiteres sehr charakteristisches Gericht. Mus ist überhaupt eine der Speisekonsistenzen, die man enorm häufig in mittelalterlichen Kochbüchern antrifft. Nüsse, Bohnen, Getreide, Früchte, Musartige Konsistenz kennt viele Variationen im Mittelalter. Hier habe ich die Birnen weich gekocht in Wein und dann den Brei durch ein Sieb gedrückt (im Original durch ein Tuch), was oft gefragt ist in mittelalterlichen Kochbüchern.
Dieses Birnenmus habe ich mit Eidotter angedickt (dadurch wurde es auch herrlich cremig, ganz ohne Milchprodukte) und gekühlt und es schmeckt einfach toll! Ein bisschen wie Weincreme.

Hier ist unser Thema ja hauptsächlich immer mittelalterliche Sachkultur, aber ich lese ja in letzter Zeit wirklich gerne moralische Schriften, Spottgedichte, Kleiderkritiken, Haushaltsbücher und andere literarische Menschlichkeiten aus dem Spätmittelalter, um mich ein bisschen in die Mentalität der Zeit einfühlen zu können und weil man dort auch oft wertvolle Hinweise für die Verbesserung der Darstellung findet. Daher war ich natürlich sofort begeistert, als ich von den sogenannten „Distaff gospels“ hörte, die es seit 2006 in einer ersten englischen Edition gibt. Und über die möchte ich heute ein bisschen sprechen.

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Das Gedicht vom Bade des Königs vom Odenwald (frühes 14. Jahrhundert): (mehr …)

Eine Damengugel in Kirschrot

24.05.2020 von Rotschopf in Kleidung

Ich besitze ja bereits eine wärmende Gugel zum Knöpfen für meine einfache Darstellung und wenn es wirklich sehr praktisch sein muss für die Arbeit, zieh ich auch gern einmal die von meinem Mann über. Ich war aber schon länger unzufrieden mit dem Sitz meiner Damengugel und das Material passte auch nicht wirklich zu meiner kostspieligeren Klamotte. Daher brauchte es noch ein Modell, dass man über einen feineren Schleier tragen kann als modisches Accessoir, das dafür aber nicht wirklich großartig wärmen muss.

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Mehr Bilder, weniger Text habe ich mir vorgenommen. Also los:
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Ein schlichter Herrenrock um 1350

07.04.2020 von Rotschopf in Kleidung

Ein lieber Freund brauchte für gemeinsame Belebungen noch eine ganz schlichte Mitt-14. Jahrhundert Arbeitskleidung für seine Darstellung als Holzhandwerker. Wir hatten noch diesen schönen naturbraunen 2/1-Köper da, der robust genug ist für so eine Klamotte.

Die Grundlagen für schlichte Herrenröcke hatte ich ja schon in diesem Artikel hier aufgearbeitet.  Und hier findet sich noch eine Anleitung zum Anpassen des Schnitts, wobei ich hier keinerlei Taillierung vorgenommen habe. Der eng sitzende Halsausschnitt ist mit 3 Stoffknöpfen verschlossen und der Ärmel mit einem Knopf.

Natürlich ist wieder alles handgenäht und mit Schmetterlingsnaht versäubert.

 

 

Kurz und knackig diesmal: Ein neues Haarbändchen ist entstanden, inspiriert von einem in den London Funden enthaltenen Band aus der 1. Hälfte 14. Jahrhundert.

Das Original, Nr 451 war rosa und gelb gestreift, bestand aus Seide, wurde mit 12 Brettchen gewebt, die (soweit ich in Clothing und Textiles erkennen kann auf den enorm schlechten schwarz-weiß-Fotos) auf der linken Hälfte in Z-Richtung, auf der rechten Hälfte in S-Richtung orientiert waren.

Ich habe die Farben gegen 20/er Seide in indigoblau und Resedagelb getauscht und mit nur 10 Brettchen gearbeitet, die ich in S/Z abwechselnd aufgespannt hatte.

Im Grunde nur eine kleine Fingerübung für mich, da ich demnächst ein oder zwei größere Brettchenweb-Projekte angehen möchte.

Die Seide habe ich wie immer von Marled Mader bezogen.

Einen Shoutout möchte ich – als Weber-Noob, der das Handwerk nur betreibt, weils sein muss für meine anderen Projekte – an dieser Stelle auch einmal an Silvia Ungerechts geben, die mir eine konstante Inspiration ist und jemand, zu dem ich handwerkstechnisch schwerstens aufblicke und die immer gern meine doofen Verständnisfragen beantwortet.

Bei diesem Haarnetzprojekt habe ich gleich mehrere Ideen, die ich lange hegte, ausprobiert.

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Vielleicht erinnert euch noch an meinen ersten Versuch an einem Herrenhaarnetz für meinen Kollegen Karl. 

Damals war ich nicht wirklich zufrieden mit der Form des Netzes. Nach einigen Tests und Diskussionen mit anderen Netz-Nerds in dieser sehr empfehlenswerten Haarnetzgruppe hier hatte ich endlich den passenden Hinweis bekommen, wie die Form näher an die Abbildungen heran kommt.

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Ein ärmelloses Suckl um 1320-40

10.10.2019 von Rotschopf in Kleidung

Dieses Jahr stand in Bad Windsheim bei den Mittelaltertagen wieder einmal das frühe 14. Jahrhundert als Thema an. Ich brauchte dringend noch ein warmes Überkleid gegen die Kälte in den ungeheizten Räumen der original mittelalterlichen Häusern der Baugruppe Stadt.

Also sah ich mich nach einem Modell des ärmellosen Überkleids um, das in die Zeit um 1320-40 als repräsentatives Sonntagskleid für eine eeeher einfachere Darstellung passen würde (das is ja immer so eine leidige Diskussion, was ist „einfach“, was ist „höhergestellt“, was bedeutet „Magd“ und was bedeutet „Bürgerin“, ich bin mittlerweile sehr vorsichtig geworden mit diesen Begrifflichkeiten).

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