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Haar-Pflege und Frisuren im 14ten Jahrhundert

Auf unserer Veranstaltung im Museum Tiroler Bauernhöfe am letzten Wochenende durfte ich auch einen Vortrag halten über Haarpflege und Frisuren, diesen habe ich nun zu digitalem Papier gebracht, damit ich auch für die Zukunft öfter mal hierauf verweisen kann.

Bitte klickt unbedingt die Links im Text an, um zu weiterführenden Artikeln, den begleitenden Bildquellen und interessanten Anleitungen zu kommen.

Haarlänge:

Bei den wenigen Gelegenheiten, bei denen man offene Haare mittelalterlicher Frauen sieht, ergibt sich ein recht einheitliches Bild der Haartracht. Lang, lang und lang. Allerdings ist offenes Haar vornehmlich ein Privileg von jungen und unverheirateten Mädchen. Ab der Hochzeit oder einem gewissen Alter gehört es sich, die Haare hochzunehmen in eine Frisur und teilweise unter einen Schleier. Dabei gefällt es natürlich besonders der Kirche, wenn es möglichst viel Schleier und möglichst wenig Haar ist.

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Herren von Welt tragen ihr Haar idealerweise kinnlang in Locken, teils auch mit Pony vorne, doch auch einige Kurzhaarfrisuren und längeres Haar sind erkennbar. Auch hier ist Kopfbedeckung eigentlich fast immer üblich. Hier seht ihr eine einfache Bundhaube und eine Variation eines Herrenhaarnetzes, die ich neulich vorstellte.

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Schönheitsideal war lockiges, langes und blondes Haar. Und man war sich auch hier schon einig, das muss seidig sein, glänzen und gepflegt aussehen.

 

Haarwäsche und Kämmen:

Das erreichte man durch verschiedene Methoden. Zwischen den Wäschen war es wichtig, die Haare gründlich zu kämmen. Dazu benutzte man Kämme wie diesen hier:

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Zunächst kämmt man die Knoten heraus mit der groben Seite, danach kommt die feine Seite, diese nimmt Staub und Schmutz mit heraus aus dem Haar und verteilt das Körpereigene Fettsekret, das Sebum, über die Länge der Haare. Das Sebum pflegt das Haar und muss vom Haaransatz weggekämmt werden, damit es sich dort nicht anlagert. Nur wenn das gründlich gemacht wird, bleibt das Haar lange frisch und riecht nicht komisch.

Kleiner Exkurs: Heute waschen wir unsere Haare üblicherweise täglich oder alle 2 Tage, wenn man diesen Rythmus von Kindesbeinen an anwendet, stellt sich die körpereigene Sebumproduktion darauf ein und die Haare fetten schneller nach, so dass man auch mehr waschen muss, ein Teufelskreis. Wäscht man aber nur selten, produziert die Kopfhaut viel weniger Fett und die Haare sind länger schön. Das nicht so häufige Waschen kommt der Gesundheit der Haare zu Gute und diese müssen nicht mit Konditioner nachgepflegt werden. Mehr dazu hier.

Gewaschen wurde das Haar mit verschiedenen verdünnten Laugen, z.B. aus Weinreben-Asche oder Natron, verkocht mit Wasser und verschiedenen duftenden Kräutern. Damit sollte das Haar dann auch nach heutigen Standards recht sauber gewesen sein. Nach solchen laugigen Flüssigkeiten empfiehlt es sich oft, mit sauren Flüssigkeiten (z.B. Essigwasser) nachzugießen, damit sich keine Ablagerungen von Seifenkalk bilden. Ob das gemacht wurde, ließ sich aber von mir nicht heraus finden. Nach der Wäsche war Lufttrocknung und – wieder – gründliches Kämmen empfohlen.

 

Duft, Glanz, Farbe:

Natürlich schönes Haar ist also durchaus erstrebenswert im 14. Jahrhundert, aber wie das in der Gotik so ist: Mehr geht immer.

So behandelte man das Haar mit Pulvern aus Nelken, Galgant, Muskat und Rosenblättern, damit sie gut dufteten. Auch Rosenwasser und Moschus wurde zu diesem Zweck verwendet und ins Haar oder auf den Kamm geträufelt. Auch Schleier wurden damit beduftet.

Besonders kurios ist, dass man auch im Mittelalter schon Haare färbte, braun und schwarz mit Walnussschalen, Galläpfeln, verkocht mit Alaun, goldschimmernd mit Safran und Färbeginster oder mit leicht sauren Flüssigkeiten, die die Haare bleichen, rot mit Drachenblut, Henna oder Rotholz. Diese Farbmischungen wurden auf das Haar aufgetragen und über Nacht oder bis zu 3 Tage einwirken gelassen. Man kann sich natürlich vorstellen, dass das keine gute Idee ist, wenn angriffslustige Stoffe wie Gerbsäuren und Alaun 3 Tage auf das Haar und die Kopfhaut einwirken. Für moderne Anwendungen jedenfalls ist das absolut nicht zu empfehlen.

Für Glanz und Kraft werden auch einige Mischungen mit teils eher abstrusen Inhaltsstoffen wie ausgekochten Eidechsen (ja, echt.) empfohlen, die aus moderner Sicht zumeist entweder fettige Basis haben, was das Haar gut pflegt, saure Flüssigkeiten ergeben, was die Haarschuppen glättet und das Haar glänzend macht, oder zumindest gut duften.

Auch Rezepte für Wässerchen, die lockiges Haar machen sollen sind zu finden. Allerdings machte es hier sicher mehr Sinn, auf mechanische Prozeduren zurück zu greifen, wie z.B. die Haare vor dem Schlafengehen zu flechten oder einzudrehen.

Übrigens war intensive Haarpflege nicht nur bei den Damen, sondern auch bei den Herren, vor allem den jungen Herren verbreitet, was zeitgenössischen Schreibern ein wahrer Dorn im Auge war. Die männlichen Eitelkeiten um Haar und Bart waren ständiger Kritikpunkt der Prediger und selbsternannten Sittenwächter im Bereich der spätmittelalterlichen Städte.

 

Ungeziefer:

Gegen Läuse und Haarmilben war man leider im Mittelalter recht machtlos. Man versuchte, sie mit Mischungen aus Asche und Öl (Öl macht die Läuse bewegungsunfähig und man kann sie leichter absammeln) zu beseitigen, mit scharf riechenden ätherischen Ölen und Kräutermischungen kann man Läuse verschrecken, auch kann man mit einem feinen Kamm die Nissen teils auskämmen. Wirklich hilfreich ist allerdings eigentlich nur die Prävention.

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Frisuren:

Was es tatsächlich an Frisuren gab, ist recht vielfältig. Immer geht ein einfacher Zopf, eventuell sogar in Fischgrättechnik oder 2 Zöpfe einfach herunter hängen gelassen.

Heute im Reenactment sehr bekannt ist ja besonders aus Französischen Abbildungen die Affenschaukel oder vielleicht nennen wir es besser „Schläfenzöpfe“, denn die häufigste Form dieser Frisur, die aus 2 Zöpfen entsteht, ist die Variante, den Zopf von der Schläfe weg zu flechten und dann seitlich des Gesichts herunterhängen zu lassen und zu falten. Fixiert habe ich die Frisur einfach mit Faden, den ich mit einer glattgeschliffenen Knochen-Nadelbindenadel genäht habe. Die Technik hab ich mir von Janet Stephens abgeschaut und sie passt sehr gut in einer Zeit, in der es nur ganz wenig Funde von Haarnadeln gibt, aber viele Abbildungen komplizierterer Frisuren. Dazu sind genähte Frisuren so haltbar, dass man mit ihnen schlafen kann.

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Geschmückt mit Stirnband (aus brettchengewebter Seide mit Korallenperlen) und Schleier sieht das dann so aus.

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Besonders interessant für Tiroler und Italiener ist diese Frisur hier, die besonders häufig in italienischen Abbildungen und im Tacuinum Sanitatis (spätes 14. Jhdt.) zu sehen ist. Dafür habe ich einen lockeren Pferdeschwanz im Nacken gebunden und dann zwei dicke Stränge geteilt, die ich um den Kopf gelegt und wieder mit meiner Nadel, diesmal aber einem dicken Seidenband festgenäht habe.

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Auch damit kann man problemlos mal eine oder 2 Nächte schlafen.

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Ich persönlich bin ja ein Fan der Gretelfrisur. Also zwei Zöpfe, die man einfach über den Scheitel legt. Die kam mir bei der Recherche besonders häufig für das 15ten Jahrhundert unter, aber auch für uns ist da was dabei.

Besonders witzig find ich da übrigens diese Abbildung um 1400 aus Salzburg, da wurden die Zöpfe einfach verknotet. Ich habs probiert und es hält! Die Enden der Zöpfe hab ich aber vorher vorsichtshalber noch mit meiner Nähtechnik fixiert.

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Eine Variante, die man häufig nur unter Haarnetzen findet sind solche Buns oder Schnecken aus Zöpfen. Auch hier ist Ausgangslage wieder 2 Zöpfe, die man dann spiralförmig annäht. Das hält auch beim spielenden und tobenden Sophiechen den ganzen Tag lang bombig und sieht einfach zuckersüß aus.

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Accessoirs:

Die Utensilien für die Haarpflege und das Styling habe ich ja oben schon beschrieben, ich habe immer einen Kamm, eine kleine Schere, Faden und eine Knochennadel dabei. In jedem Frisurenset sollten aber auch noch folgende Dinge vorhanden sein:

Haarbänder aus Seide oder Wolle in verschiedenen Längen, ein hübsches Stirnband/Schapel aus Brettchengewebe oder Metall, Haarnadeln, zB nach den Londonfunden und ein hübsches Haarnetz aus Seide, das man entweder über die oben genannten Frisuren oder ganz ohne Frisur tragen kann.

Auf dieser Abbildung hier sieht man übrigens möglicherweise ein Kosmetik-Necessaire. Könnten das Haarnadeln sein?

DSCN9949 DSCN9465 Haarnadeln nach den Londonfunden 20160807-DSC_0867-Belebung Museum Tiroler Bauernhöfe-Carmen_Brenner

Und die Rettung für jeden Bad-Hair-day, der Haarsack.

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Und wem die nötige Haarpracht fehlt, der hat auch im Mittelalter schon mit anderen Mitteln nachgeholfen.

Für den Festtag übrigens gibts dann das gute alte Blumenkränzchen. Das ist auch weiterhin immer mal wieder aktuell und beliebt.

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Weiterführendes:

Mehr zu Kopfbedeckungen der Frau findet ihr hier.

Meine absolute Empfehlung zum Thema Haarpflege, Haarfärbung und Kosmetik sind die Trotula, über die ich hier schon berichtet habe.

Meine Pinterestsammlung zum Thema.

Mehr zu Schleierarten in der Umsetzung

Mehr zu Kopftüchern und Hauben

 

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